Bid-Ask-Spreads: So vermeiden Sie teure Trades
Gebühren sind sichtbar, Spreads selten. Doch gerade Bid-Ask-Spreads können die Performance stärker schmälern als eine vermeintlich hohe Verwaltungsgebühr. Sie wirken bei jedem Kauf und Verkauf – selbst dann, wenn die Kommissionen tief sind. Wer versteht, was Spreads antreibt, wann sie anschwellen und wie man Orders klug platziert, senkt die effektiven Handelskosten messbar. Das ist keine Kunst, sondern Disziplin und Kenntnis der Marktmechanik.
Was Spreads antreibt
Der Spread ist die Entschädigung für Liquidität. Market Maker stellen laufend Geld- und Briefkurse und tragen das Risiko, Titel zu kaufen oder zu verkaufen, während sich der faire Wert laufend bewegt. Je tiefer und breiter das Orderbuch, desto enger der Spread. In liquiden Blue Chips des SMI sind Spreads oft im Bereich weniger Basispunkte, während Nebenwerte oder Small Caps je nach Marktphase mehrere Dutzend Basispunkte bis Prozentpunkte kosten können. Studien der BIS zeigen, dass Spreads in Phasen hoher Volatilität systematisch steigen, weil Unsicherheit die Preissetzung verteuert und das kurzfristige Inventarrisiko der Liquiditätsanbieter erhöht (BIS Quarterly Review, diverse Ausgaben). Die europäische Aufsicht ESMA dokumentiert seit MiFID II zudem, wie Tick-Size-Regeln die Mindestpreisabstände beeinflussen: Gröbere Ticks können Spreads künstlich am unteren Rand fixieren, zu feine Ticks hingegen die Quote-Stabilität untergraben.
Timing zählt. Gleich nach Börseneröffnung ist die Preisfindung noch im Fluss: Nachtnews, Makrodaten und Orders vom Vortag werden in die Kurse übersetzt. Entsprechend sind Spreads zu Beginn häufig breiter und normalisieren sich, sobald das Orderbuch gefüllt ist. Ähnliches gilt vor Handelsschluss, wenn Portfolios repositioniert und Risikoexposures gehedgt werden. Rund um wichtige Daten – Zinsentscheide, Inflationszahlen, Gewinnberichte – weiten sich Spreads oft an, weil die erwartete kurzfristige Schwankung steigt. SIX publiziert Market-Quality-Metriken, die diese Muster regelmässig zeigen; sie bestätigen, dass die Kernzeit eines Handelstags die günstigsten Ausführungskonditionen bietet.
Taktik der Ausführung: Kosten im Griff
Die Wahl des Ordertyps entscheidet häufig über Basispunkte. Market-Orders sichern Ausführung, nicht Preis. Wer den Spread kontrollieren will, setzt Limit-Orders und verankert damit einen maximalen Preis beim Kauf oder einen Mindestpreis beim Verkauf. Das schützt vor temporären Ausreissern und ungünstigen Ausführungen in dünnen Büchern. Bei moderat liquiden Titeln hilft eine gestaffelte Platzierung in Tranchen: Man bietet in der Nähe der Geldseite an und passt die Limits dynamisch, statt auf einmal ins Buch zu greifen. So bleibt man preissensitiver, ohne den Markt unnötig zu bewegen.
Der Zeitpunkt der Ausführung ist ebenso wichtig. In Europa sind die ersten 10 bis 15 Minuten nach 9:00 Uhr MEZ und die letzte Viertelstunde vor Schluss oft die teuersten Phasen. In den USA gilt Analoges für die Zeit kurz nach 15:30 Uhr MEZ. Wer US-Aktien in Zürich handelt, trifft die engsten Spreads meist während der US-Kassenzeit. Für Schweizer Titel zeigt sich die beste Marktqualität typischerweise zwischen 9:15 und 17:00 Uhr. In illiquiden Phasen kann Geduld günstiger sein als Tempo.
ETFs und die zwei Liquiditäten
Bei ETFs wirkt der Spread zweifach: im Sekundärmarkt zwischen Investor:innen und Market Makern und im Primärmarkt über Creation/Redemption durch autorisierte Teilnehmer. Entscheidend ist die «wahre» Liquidität des ETF, die sich aus der Handelbarkeit des Underlyings speist. Ein ETF auf den SMI kann enge Spreads bieten, auch wenn der ETF selbst wenig Umsatz zeigt, solange Market Maker die Komponenten effizient hedgen können. Umgekehrt werden Spreads breiter, wenn der zugrunde liegende Markt geschlossen ist – ein Asien-ETF vor Öffnung der asiatischen Börsen ist ein klassisches Beispiel. Anbieter wie BlackRock und Vanguard verweisen in ihren Handelshinweisen darauf, dass ETF-Spreads während der Öffnungszeiten der Underlyings signifikant enger sind; SIX wiederum ermöglicht für ETFs Quote-Request-Verfahren, bei denen mehrere Liquiditätsanbieter simultan Preisvorschläge abgeben. Das erhöht die Konkurrenz und senkt die impliziten Kosten.
Praktisch heisst das: Wer ETF-Trades plant, orientiert sich am iNAV bzw. Indikativ-NAV, beobachtet die Abweichung zum Brief- bzw. Geldkurs und prüft kurz die Orderbuchtiefe. Limit-Orders nahe dem fairen Wert reduzieren Slippage. Für grössere Volumen lohnt sich eine Off-Book-Anfrage über RFQ-Kanäle beim Broker, der die Quotes mehrerer Market Maker einholt.
Messung, Kontrolle, Umsetzung
Was man misst, kann man verbessern. Zwei Kennzahlen sind praxistauglich: die effektive Spread-Kosten und die Implementation Shortfall. Erstere vergleichen den Ausführungskurs mit dem Mittel aus Geld und Brief zum Orderzeitpunkt; letztere misst die Gesamtabweichung vom Entscheidungs- bis zum Ausführungskurs, inklusive Verzögerungskosten. Viele Broker bieten dafür Transaction-Cost-Analysis (TCA). Wer regelmässig handelt, sollte diese Auswertungen anfordern und mit Benchmarks vergleichen. ESMA- und FINRA-Berichte zeigen, dass selbst kleine Verbesserungen in der Ausführung über Jahre deutliche Renditeeffekte haben – besonders bei Strategien mit hoher Turnover-Rate.
Strukturelle Faktoren helfen oder schaden: Börsen mit robusten Market-Making-Programmen, angemessenen Tick-Grössen und hoher Wettbewerbsintensität produzieren tendenziell engere Spreads. In der Schweiz sorgt SIX mit qualifizierten Liquiditätsanbietern und Transparenzmetriken für stabile Quote-Qualität. Für kotierte Obligationen, wo Spreads ausgeprägter sind, lohnt sich der Blick in RFQ-Plattformen und die Abstimmung mit der Bank über das bevorzugte Ausführungsvenue.
All das ist keine Aufforderung zu kurzfristigem Trading. Es geht um Handwerk. Wer Zeitpunkt, Ordertyp und Marktphase bewusst wählt, reduziert die impliziten Kosten dauerhaft. So bleibt mehr von der Bruttorendite übrig – ohne zusätzliches Risiko. Das ist in volatilen Märkten ebenso wertvoll wie in ruhigen Phasen.
Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar.
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