Handelszeiten und Auktionsphasen an der SIX erklärt
Die Uhr der Börse tickt in Phasen. Wer weiss, wann Liquidität gebündelt wird und wie Preise entstehen, reduziert Slippage und vermeidet unnötige Kosten. An der SIX Swiss Exchange bestimmen klar definierte Handelszeiten und Auktionsmechanismen den Takt. Sie sind nicht nur Technik-Detail, sondern zentrale Stellhebel für Ausführungsqualität – für Aktien, ETFs und ETPs ebenso wie für ausgewählte Anleihen-Segmente.
Im Kern geht es um Marktmikrostruktur: Wann treffen Orders aufeinander, nach welchen Regeln wird der Preis gebildet, und wie reagiert das System auf starke Kursbewegungen? Die Antworten darauf finden sich in den Regelwerken der Börse, namentlich im Trading Guide und den Ausführungsbestimmungen der SIX. Sie geben den Rahmen vor, innerhalb dessen Banken, Broker und Market Maker agieren.
Von der Vorbörse bis zum Schluss: der Takt an der SIX
Für die Aktien- und ETF-Segmente der SIX gilt in der Regel folgender Tagesablauf: Ab 06:00 Uhr beginnt die Vorbörse (Pre-Opening). In dieser Phase lassen sich Orders ins Orderbuch stellen, es findet jedoch kein Handel statt. Um 09:00 Uhr startet die Eröffnungsauktion mit zufälligem Ende innerhalb eines kurzen Fensters. Im Anschluss läuft der fortlaufende Handel typischerweise bis 17:20 Uhr. Daran schliesst die Schlussauktion bis 17:30 Uhr an. Die Phase Trading at Last von 17:30 bis 17:40 Uhr ermöglicht Transaktionen zum festgestellten Schlusskurs. Je nach Segment können Zeiten variieren; Anleihen und strukturierte Produkte folgen teilweise abweichenden Schemata. Massgeblich sind die offiziellen SIX-Handelskalender und Segment-Notizen.
Die Eröffnungs- und Schlussauktion markieren die beiden neuralgischen Punkte des Handelstages. Hier verdichtet sich die Liquidität, weil zahlreiche Akteure ihre Orders auf diese Fixpunkte ausrichten. Indexnah investierende Fonds, Arbitrageure zwischen Kassa- und Derivatemärkten sowie Market Maker koordinieren Aktivitäten gezielt um diese Phasen. Das reduziert typischerweise die Geld-/Brief-Spannen, kann im Einzelfall aber starke Orderflüsse bündeln und Kursbewegungen akzentuieren.
Wie der Auktionspreis entsteht
In SIX-Auktionen gilt ein wohldefiniertes Prioritätsregime. Zunächst wird der Preis ermittelt, der das maximale ausführbare Volumen ermöglicht. Falls mehrere Preise gleich viel Volumen liefern, hat derjenige mit dem kleinsten Überhang den Vorrang. Als dritter Schritt wird bei anhaltender Gleichheit der Preis gewählt, der dem Referenzpreis am nächsten liegt. Innerhalb der Preisfindung greift eine Zeit-/Preis-Priorität bei Orderzuweisungen. Das Ende der Auktion ist zufällig innerhalb eines kurzen Zeitfensters, um taktische Ausnutzung zu erschweren. Bei raschen Kursbewegungen kann der fortlaufende Handel durch eine Volatilitätsunterbrechung in eine zusätzliche Auktion überführt werden. Dabei setzen dynamische und statische Preisbänder Grenzen, die Marktintegrität schützen. Die Details sind im SIX Trading Guide und den Ausführungsbestimmungen dokumentiert.
Liquidität, Spreads und Ausführungsqualität
Aus Sicht der Ausführung zählt, wo und wann Liquidität auftrifft. Eröffnungs- und Schlussauktion bündeln einen beträchtlichen Anteil des Tagesumsatzes. International liegt der Anteil der Schlussauktion an vielen Börsen seit Jahren im zweistelligen Prozentbereich; die SIX berichtet ähnlich gelagerte Muster in ihren Marktstatistiken. Für Market Maker erleichtert das Setzen enger Spreads, für grössere institutionelle Aufträge verbessert es die Chancen auf marktnahe Ausführungen. Gleichzeitig gilt: Wo Volumen konzentriert ist, können Nachrichten, Indexanpassungen oder Rebalancings Wirkung entfalten und Preise ruckartig verschieben.
Im fortlaufenden Handel bestimmen Orderbuchtiefe und Wettbewerb der Liquiditätsanbieter die Spreads. Für liquide Blue Chips sind sie in ruhigen Phasen eng, während Nebenwerte oder breitere ETFs spürbare Spannen aufweisen können. Volatilitätsunterbrechungen dienen als Puffer: Überschiesst der Markt, wird der Handel in eine Auktion verlagert, die Preisfindung verlangsamt und Informationsaufnahme erleichtert. Für algorithmische Strategien – von VWAP bis TWAP – bieten die klaren Phasen Fixpunkte, um Ausführungspfade zu planen. Für Privatanlegerinnen und Privatanleger bleibt zentral, dass Best-Execution-Richtlinien der Institute und die gewählten Ordertypen (Limit, Iceberg, Fill-or-Kill u. a.) mit der jeweiligen Marktphase harmonieren.
Praktische Implikationen ohne Empfehlung
Wer Handelszeiten und Auktionsphasen an der SIX kennt, kann Zeitpunkte mit höherer Liquidität von dünnen Handelsfenstern unterscheiden. Das hilft, Ausführungsrisiken einzuordnen, ohne eine Aussage über die Marktrichtung zu treffen. Unternehmen und Emittenten orientieren sich bei Kapitalmarkt-Events oft an diesen Taktgebern, um die Preisfindung nicht zu stören. Für Anlegerinnen und Anleger ist relevant, dass besondere Ereignisse – Quartalszahlen, Indexwechsel, MSCI- oder SPI-Anpassungen – häufig die Schlussauktion als Referenz für NAVs, Performance-Messungen und Derivate-Settlement nutzen und damit deren Bedeutung weiter erhöhen.
Die genannten Zeiten und Mechanismen basieren auf den öffentlich zugänglichen Unterlagen der SIX Swiss Exchange, insbesondere dem Trading Guide, dem Börsenkalender und den Regelwerken der SIX Exchange Regulation; sie können sich ändern und segmentabhängig differieren. Konkrete Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung ist damit nicht verbunden. Wer Orders platziert, sollte die jeweils aktuelle Dokumentation der SIX konsultieren und die Best-Execution-Informationen seiner Bank oder seines Brokers berücksichtigen.
Weitere Artikel zu Markt & Makro
Markt & Makro
Bid-Ask-Spreads: So vermeiden Sie teure Trades
Bid-Ask-Spreads sind oft die grössten versteckten Handelskosten. Wer Liquidität, Timing und Ordertypen versteht, reduziert Slippage und schützt Renditen.
Markt & Makro
Ordertypen verstehen: Market, Limit und Stop im Vergleich
Market-, Limit- und Stop-Orders steuern Tempo, Preis und Risiko der Ausführung. Wer die Mechanik kennt, reduziert Slippage und vermeidet Fehltrades.
Markt & Makro
Konjunkturindikatoren lesen: PMI, BIP, Arbeitsmarkt
Konjunkturindikatoren richtig lesen: Wie PMI, BIP und Arbeitsmarkt Impulse für Anlageklassen geben – und wo die Grenzen dieser Signale liegen.