Markt & Makro

Swiss Re hält Investor Day

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Swiss Re hält am bekannten Drehbuch fest – mit einigen Nuancen. Am Investor Day stand weniger die grosse strategische Kursänderung im Vordergrund als die Bestätigung eines Kernsatzes: Kapitaldisziplin bleibt das Leitmotiv. Die Gruppe will die aktuell robuste Ertragsbasis verteidigen, die Sensitivität gegenüber Extremereignissen weiter reduzieren und die Ausschüttungspolitik verlässlich halten.

Kapitaldisziplin und Ausschüttung: Planbarkeit vor Ambition

Swiss Re unterstreicht, dass Ausschüttungen weiterhin aus der operativen Ertragskraft finanziert werden sollen, nicht aus der Substanz. Die progressive Dividende bleibt das Primat; Aktienrückkäufe bleiben opportunistisch und abhängig von Solvenz, Marktumfeld und alternativen Investitionen mit attraktiven risikoadjustierten Renditen. Die Botschaft richtet sich an zwei Adressen: an Investorinnen und Investoren, die Planbarkeit schätzen, und an Ratingagenturen, die das Solvenzprofil als Anker sehen. Der Schweizer Solvenztest liegt komfortabel über dem internen Zielband; der Puffer soll Volatilität aufnehmen, nicht hebeln.

Kapitalallokation folgt dem Ertrags-/Risikoprofil der Sparten. In der Sach-Rückversicherung bleibt die Allokation hoch, solange Preisniveau, Vertragsbedingungen und Anlagerenditen zusammen eine Überrendite zum Kapitalkostenmass versprechen. In Casualty-Deckungen dämpfen „Social Inflation“ in den USA und längere Schadenentwicklungen den Risikoappetit. Corporate Solutions liefert verlässlich freie Mittel – als diversifizierender, kapitalärmerer Ertragsstrom. Für iptiQ betont Swiss Re den kapitaleffizienten Ausbau über Partnerschaften; Profitabilität steht klar vor Volumen.

Underwriting und Zyklus: Qualität vor Volumen

Der Sach-Rückversicherungsmarkt bleibt konstruktiv, auch wenn die Preiskurve nach Jahren kräftiger Anpassungen seitwärts tendiert. Entscheidend sind die Qualitätsparameter: höhere Antrittspunkte, engere Klauseln, bessere Datenqualität und eine bewusst tiefere Aggregation in risikoreichen Zonen. Swiss Re will das Katastrophenrisiko kalkulierbarer machen, indem sekundäre Perils (Starkregen, Hagel, Waldbrand) granularer bepreist und regional konzentrierte Exponierungen weiter geglättet werden. Retro-Kapazität ist wieder verfügbar, aber der Einsatz bleibt selektiv – als Steuerungsinstrument, nicht als Ertragsersatz.

Für die Erneuerungsrunde zum Jahresbeginn ist Swiss Re diszipliniert: Wo Rate-on-Rate und Vertragsstrenge das geforderte Renditeprofil nicht sichern, wird Kapazität zurückgenommen. Der Konzern verweist auf die verbesserte Modellierung und eine konservative Katastrophen-Budgetierung, die Überraschungen reduzieren soll. Auf der Kostenseite bleibt Effizienz ein stiller Hebel: standardisierte Prozesse, mehr Automatisierung im Pricing und Portfolio-Management, sowie die gezieltere Nutzung von Dritt- und alternativen Datenquellen.

Im Haftpflichtbereich bleibt die Langfristperspektive vorsichtig. Die Prämienentwicklung hält, doch die Unsicherheit über künftige Schadeninflation und Rechtsprechung spricht für kurze Vertragsdauern und ausgeprägte „Terms & Conditions“ – inklusive engerer Definitionen und klarer Sublimits. Cyber bleibt ein strukturelles Wachstumsfeld, doch Swiss Re hält am phasenweisen Ausbau fest: Kapazität folgt der Modellreife, nicht dem Nachfragehunger.

IFRS 17, Ertragstreiber und Ausblick: mehr Plan, weniger Lärm

Mit IFRS 17 rückt die Contractual Service Margin als Bruttogrösse für künftige Ergebnisbeiträge stärker ins Blickfeld. Swiss Re signalisiert, dass die CSM in den kapitalstarken Linien solide wächst – ein Indiz für eingebettete Ertragskraft. Für Investorinnen und Investoren werden zwei Kennzahlen wichtiger: die Qualität der CSM (Mix, Laufzeiten, Sensitivität) und die Disziplin bei deren Freisetzung. Beides spricht für ein glatteres Ergebnismuster über den Zyklus, sofern Grossschäden im Rahmen der Budgetierung bleiben.

Der Zinskanal wirkt weiterhin positiv. Höhere Reinvestitionsrenditen heben die laufenden Kapitalerträge; der Konzern bleibt bei moderater Duration und Investment-Grade-Fokus. Die Botschaft: Kein „Reach for yield“, dafür stetiger Carry. Gleichzeitig bleiben Spread- und Bewertungsrisiken real – Swiss Re betont das aktive Risikomanagement und die enge Kopplung von Asset- und Liability-Duration, um Zins- und Marktvolatilität zu dämpfen.

In Leben & Gesundheit normalisieren sich die Mortalitätslasten; Wachstumsschwerpunkte liegen in biometrischen Deckungen mit vertraglich stabilen Margen sowie in kapitalleichten Strukturen, die wenig Solvenz binden. Corporate Solutions verteidigt seine verbesserte Ertragsbasis, getragen von strenger Risikoselektion, einer diversifizierten Produktpalette und einer Pipeline in Spezialsparten wie Engineering, Energie und Parametrik.

Der Ausblick bleibt konstruktiv, aber nicht sorglos. Klima- und Wetterregimewechsel (El Niño/La Niña), zähe Schadeninflation, geopolitische Spannungen und das Verhalten alternativer Kapitalgeber im Katastrophensegment bleiben zentrale Variablen. Swiss Re adressiert diese Risiken mit engeren Aggregaten, dynamischer Retro-Strategie und einer messbaren Risikotragfähigkeit. Für den Kapitalmarkt zählt am Ende die Konsistenz: planbare Ausschüttungen, strenge Zeichnung, transparente IFRS‑17-Kennzahlen und eine Solvenz, die Überraschungen aushält.

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