Währungen und CHF-Stärke: Was sie im Depot bewirken
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Währungen und CHF-Stärke: Was sie im Depot bewirken

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Der starke Franken prägt Renditen und Risiken. Wie Währungen das Depot beeinflussen, wann Hedging Sinn macht und welche Kosten entstehen. Für Schweizer Depots.

Der Franken ist mehr als ein Zahlungsmittel. Für Schweizer Anleger:innen ist er Renditetreiber, Risikopuffer und Kostenfaktor zugleich. Die jüngere Vergangenheit hat das eindrücklich gezeigt: Währungsbewegungen können Jahresergebnisse von globalen Portfolios dominieren. Wer verstehen will, wie die CHF-Stärke wirkt und wie sich eine Absicherung auf Rendite und Risiko auswirkt, muss die Mechanik hinter Devisen, Zinsdifferenzen und Korrelationen kennen.

Wie Währungen Renditen formen

In einem ungesicherten Depot wird jede Auslandsanlage in CHF umgerechnet. Die einfache Logik: Die Gesamtrendite in CHF entspricht der lokalen Anlageperformance multipliziert mit der Währungsbewegung. Steigt ein US-Aktienindex um 10% in USD, fällt der USD/CHF aber um 5%, bleibt in CHF nur rund die Hälfte übrig. Umgekehrt polstert ein stärkerer USD die CHF-Rendite.

Über lange Zeiträume hat der Franken zur Aufwertung tendiert – nominal und in realer Kaufkraft. Das liegt an strukturell tiefer Inflation, soliden Leistungsbilanzüberschüssen und dem Ruf als sicherer Hafen. Forschung von Ranaldo/Söderlind zeigt, dass der CHF in Stressphasen häufig aufwertet, ähnlich dem JPY (Ranaldo & Söderlind, 2010). Diese Eigenschaft dämpft Verluste globaler Aktienportfolios in Krisen, schmälert aber oft die Rendite in Haussephasen.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat in der vergangenen Dekade zudem mit Negativzinsen und Devisenmarktinterventionen die Frankenstärke zu glätten versucht, ohne den sicheren-Hafen-Charakter grundsätzlich zu verändern (SNB, Geldpolitik). Für Anleger:innen bleibt entscheidend: Währungsrisiko ist ein eigenständiger Risikofaktor – er lässt sich steuern, nicht eliminieren.

Der Zins als Treiber der Hedge-Rendite

Eine Währungsabsicherung via Termingeschäfte überführt ausländische Erträge in CHF und neutralisiert den Spotkurs. Die erwartete Hedge-Rendite entspricht näherungsweise der Zinsdifferenz zwischen Fremdwährung und CHF, also den sogenannten Forward-Punkten. Sind die Zinsen im Ausland höher als in der Schweiz, fällt für CHF-Investor:innen beim Hedging ein positiver Roll-Ertrag an. Das war in den Jahren 2023/24 etwa bei USD und EUR der Fall, während das Absichern von JPY in CHF wegen tiefer Japan-Zinsen typischerweise Carry-Kosten verursacht. Die konkrete Höhe schwankt mit Geldmarktsätzen und Kontraktdauer.

Absichern oder offen lassen? Der differenzierte Blick

Bei Anleihen ist die Evidenz klar: Das Währungsrisiko dominiert häufig die Schwankungen. Wer globale Bonds hält, reduziert mit einer CHF-Absicherung Volatilität markant, ohne langfristig auf Rendite verzichten zu müssen. Zahlreiche Studien und Anbieteranalysen kommen zu diesem Befund; Vanguard und MSCI empfehlen für Kernanleihen aus Sicht der Heimatwährung in der Regel eine hohe oder vollständige Absicherung (Vanguard Research; MSCI).

Bei Aktien ist das Bild nuancierter. Unhedged-Exponierung bringt Diversifikation, weil Währungen oft anders schwingen als Aktienkurse. Der CHF tendiert in Stressphasen zur Aufwertung und wirkt damit als Stossdämpfer. Eine vollständige Absicherung kann diese Schutzwirkung entfernen, gleichzeitig aber die Ertragsunsicherheit reduzieren, wenn der Franken ausserhalb von Krisen stark wird. Viele institutionelle Investoren in der Schweiz fahren deshalb mit Aktien eine mittlere Hedge-Quote, beispielsweise 30–70%, und passen sie an Risikobudget und Marktumfeld an. Ein starres Rezept gibt es nicht – entscheidend sind Anlagehorizont, Risikotoleranz und die Rolle, die Aktien im Gesamtvermögen spielen.

Die Kostenfrage ist zweigeteilt. Erstens die implizite Komponente aus Zinsdifferenzen, die – je nach Währung – Ertrag oder Aufwand bedeutet. In Phasen hoher Auslandszinsen kann das Hedging von USD/EUR in CHF jährlich 2–4% Roll-Ertrag liefern, während JPY-Hedges tendenziell negative Carry erzeugen. Zweitens die operativen Kosten: Spreads, Rollaufwand, allfällige Fondsgebühren der gehedgten Anteilsklasse. Diese sind bei liquiden G10-Währungen meist moderat, sollten aber im Tracking-Differenzprofil von ETFs sichtbar werden.

Praktische Implikationen für Schweizer Depots

Wer sein Währungsrisiko steuert, tut gut daran, es bewusst zu dosieren statt reflexartig zu eliminieren. Für den stabilisierenden Anleiheblock spricht vieles für eine breite CHF-Absicherung. Bei Aktien ist eine teil- oder phasenweise Absicherung ein praktikabler Kompromiss: Sie reduziert die Schwankungen, nimmt aber nicht den gesamten Krisenpuffer des Frankens aus dem Spiel. Entscheidend ist, dass die gewählte Hedge-Quote zur Liquiditätsplanung und zum Verhalten in Stressphasen passt.

Umsetzungstechnisch bieten viele Indexfonds und ETFs gehedgte CHF-Anteilsklassen an, erkennbar an Zusätzen wie «CHF hedged» oder «(H)». Sie rollen in der Regel monatlich oder vierteljährlich Forward-Kontrakte. Ein Blick ins Factsheet zeigt, wie hoch die Hedge-Quote ist, wie die Rollpraxis funktioniert und welche Tracking-Differenz historisch anfiel. Wer selbst absichert, sollte Kontraktgrössen, Fristenstaffelung und Sicherheitenmanagement berücksichtigen.

Schliesslich lohnt der Blick auf Regimewechsel. Fällt die Zinsdifferenz, dünnt der Roll-Ertrag gehedgter USD/EUR-Anlagen aus. Steigen die Schweizer Zinsen über ausländische, kann Hedging sogar zum Kostentreiber werden – wie in früheren Zyklen. Historische Langfristdaten, etwa im Global Investment Returns Yearbook, erinnern daran, dass Währungsregime wechseln und der Franken in realer Kaufkraft tendenziell stark bleibt (CS/UBS Yearbook 2024). Risikomanagement bedeutet daher, die Hedge-Entscheidung periodisch zu überprüfen statt sie auf Autopilot zu stellen.

Fazit: Währungen sind kein Nebengeräusch, sondern ein strategischer Hebel. Wer ihre Mechanik versteht und den Franken als Chance und Risiko zugleich begreift, bringt mehr Stabilität in das Depot – ohne blind Rendite liegen zu lassen.

Hinweis: Diese Publikation dient der Information und stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar.

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