3a-ETF-Lösungen im Vergleich: Gebühren, Rebalancing, Anbieter
Die Säule 3a hat sich in wenigen Jahren fundamental verändert. Statt teurer, aktiv verwalteter Vorsorgefonds dominieren heute kostengünstige Index- und ETF-basierte Lösungen. Für Anlegerinnen und Anleger ist das ein Gewinn – sofern sie die Kostenstruktur verstehen, die Rebalancing-Logik einordnen und die Architektur der einzelnen Anbieter richtig vergleichen. Denn hinter ähnlichen Marketingbegriffen verbergen sich mitunter markante Unterschiede in Preis, Umsetzung und Governance.
Wichtig ist zunächst die Begriffsklärung: Viele 3a-Plattformen investieren nicht in börsengehandelte ETFs, sondern in institutionelle indexnahe Fonds mit Domizil Schweiz. Das ist kein Nachteil. Im Gegenteil kann die Schweizer Fondshülle steuerlich effizient sein und im 3a-Rahmen operative Vorteile haben. Entscheidend ist nicht das Etikett, sondern die Netto-Gesamtkosten und die Qualität der Umsetzung.
Gebühren richtig lesen: All-in vs. TER
Kostenangaben sind in der 3a-Welt uneinheitlich. Einige Anbieter kommunizieren eine All-in-Fee, die Depot-, Transaktions- und Produktkosten umfasst. Andere nennen eine Plattformgebühr zuzüglich der Kosten der eingesetzten Fonds (TER). Für einen sauberen Vergleich zählt die effektive Gesamtbelastung pro Jahr. Sie setzt sich typischerweise aus drei Bausteinen zusammen: der Verwaltungsgebühr der 3a-Stiftung oder -Plattform, den Produktkosten der Indexfonds/ETFs sowie impliziten Kosten wie Währungstauschspreads und Fondsmechanismen (z. B. Swing Pricing). In Summe bewegen sich moderne 3a-Lösungen häufig im Bereich von rund 0,35% bis 0,60% pro Jahr, abhängig von Produktmix und Handelsumsetzung. Wer nur die TER der Fonds betrachtet, unterschätzt die Total Cost of Ownership.
Ein zweiter Kostentreiber ist die Behandlung von Dividenden und Quellensteuern. Bei globalen Aktien fallen an der Quelle Abzüge an (etwa auf US-Dividenden). Ob und wie diese innerhalb der Fondshülle reduziert werden können, hängt von Domizil, Doppelbesteuerungsabkommen und der Struktur des Vehikels ab. Schweizer indexnahe Fonds erzielen hier oft robuste Nettoquoten, weil sie auf institutionelle Prozesse zurückgreifen. 3a-Anlegerinnen und -Anleger können diese Reclaims nicht individuell geltend machen; entscheidend ist daher die Effizienz auf Fondsebene. Die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) beschreibt die Grundsätze der steuerlichen Behandlung, während die konkreten Nettoeffekte in den Jahresberichten der Fonds erkennbar sind.
Handel, Währung und Steuern: die versteckten Reibungen
Neben der nominellen Gebühr wirken implizite Reibungen. Währungstauschkosten fallen etwa an, wenn Beiträge in CHF in Fremdwährungsanlagen fliessen. Einige Plattformen bündeln Transaktionen, nutzen interne Netting-Verfahren oder setzen Interbankenkurse nahe am Mid-Market um. Andere belasten pauschale FX-Spreads. Bei Aktienfonds kann Swing Pricing in volatilen Phasen den Anteilspreis leicht anheben oder senken, um Zeichner und Rückgeber fair zu behandeln. Diese Mechanismen sind reguliert – FINMA und die Stiftungsaufsichten wachen über Prozesse und Offenlegung –, doch sie beeinflussen die Nettorendite. 3a-Erträge sind während der Ansparphase einkommens- und vermögenssteuerfrei; das ändert nichts daran, dass effiziente Handels- und Fondsprozesse langfristig mehrere Basispunkte pro Jahr sichern können.
Rebalancing-Mechanik: starr, gleitend oder bandbasiert
Rebalancing hält die Anlagestrategie auf Kurs. In der Praxis dominieren drei Ansätze. Beim kalenderbasierten Rebalancing wird in festen Intervallen, etwa quartals- oder halbjährlich, auf die Zielgewichte zurückgeführt. Das bringt Disziplin, kann aber in ruhigen Märkten unnötige Trades auslösen. Gleitendes Rebalancing nutzt Zuflüsse und Dividenden, um Abweichungen ohne Zusatzhandel zu reduzieren – in der 3a mit regelmässigen Beiträgen besonders wirksam. Das bandbasierte Rebalancing greift erst, wenn eine Anlageklasse ihre Toleranzbänder sprengt, etwa ±5 Prozentpunkte. Es ist kosteneffizient, verlangt aber eine robuste Überwachung und klare Regeln.
Welche Logik besser ist, hängt von der Volatilität der gewählten Strategie, den Handelskosten und der operativen Qualität des Anbieters ab. In einem 3a-Konto mit hohem Aktienanteil und regelmässigen Einzahlungen hat sich ein Mix aus Cashflow-Rebalancing und bandbasiertem Eingreifen bewährt. Zu häufiges Rebalancing erhöht implizite Kosten, zu seltenes lässt das Risiko unbemerkt ansteigen. Seriöse Anbieter dokumentieren ihre Methode transparent im Reglement und in den Factsheets. Prüfen Sie zudem, ob Rebalancing kostenneutral erfolgt oder ob Transaktionsgebühren weitergegeben werden.
Anbieter im Überblick: Differenzen, die zählen
Der Markt teilt sich grob in unabhängige 3a-Stiftungen mit digitaler Oberfläche und in Banklösungen. Unabhängige Plattformen setzen oft auf breit diversifizierte, passive Bausteine mit hoher Aktienquote von bis zu 97–99% innerhalb der BVV‑2‑Leitplanken. Banknahe Lösungen integrieren teils hauseigene Indexfonds und bieten Varianten mit ESG-Filtern oder Schweizer Home Bias. Unterschiede zeigen sich in mehreren Dimensionen: der Höhe und Zusammensetzung der All-in-Kosten; der Wahl der Index-Vehikel (Schweizer Domizil vs. ausländische ETFs); der FX-Umsetzung; der Rebalancing-Logik; und Governance-Aspekten wie Stimmrechtsausübung, Wertschriftenleihe und Ertragsverwendung.
VIAC, finpension 3a, frankly, True Wealth 3a und weitere Anbieter veröffentlichen ihre Gebührenmodelle und Anlagereglemente transparent. Ein Vergleich lohnt sich im Detail: Einige inkludieren die Produktkosten vollständig in der pauschalen Gebühr, andere weisen sie separat aus. Bei der Diversifikation reicht die Spanne von schlanken Weltportfolios bis zu fein segmentierten Strategien mit Small Caps, Emerging Markets, Immobilienfonds oder einer Goldkomponente. Während mehr Bausteine theoretisch eine präzisere Exponierung ermöglichen, können sie Rebalancing und Kosten verkomplizieren. Für die operative Sicherheit zentral ist die Struktur der 3a-Stiftung: Kundengelder sind rechtlich getrennt, Wertschriften liegen im Sondervermögen der Fonds, Cash-Bestände tragen jedoch das Gegenparteirisiko der Depotbank. Die Aufsicht über die Stiftungen liegt bei den zuständigen Aufsichtsbehörden; Fonds stehen unter FINMA-Aufsicht.
Wer 3a-Lösungen beurteilt, sollte zuletzt auf Prozessqualität achten: Wie schnell werden Beiträge investiert? Wie werden ETF- oder Fonds-Umstellungen kommuniziert? Welche Berichte und Steuerdokumente stehen bereit? Offene, konsistente Kommunikation und sauber dokumentierte Reglemente sind ein Qualitätsmerkmal – gerade in einem Vorsorgegefäss, das über Jahrzehnte läuft. Offizielle Informationen liefern die ESTV zur steuerlichen Behandlung der Säule 3a, die FINMA zur Fondsregulierung und die Anbieterunterlagen zu Kosten, Strategie und Risiken. Dieser Artikel stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar, sondern ordnet Rahmenbedingungen und gängige Marktpraktiken ein. Die individuellen Bedürfnisse und Risikotoleranzen bleiben entscheidend.
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