Säule 3a anlegen: ETF oder Konto – worauf es ankommt
Die gebundene Vorsorge ist steuerlich attraktiv, doch die Anlagefrage bleibt grundlegend: Säule 3a als Konto mit Zins oder als Wertschriftenlösung mit ETF und Indexfonds? Die Antwort hängt von Zeithorizont, Risikotoleranz, Gebühren und Regulierung ab. Wer die Mechanik versteht, trifft robustere Entscheidungen – ohne Timing-Tricks oder Produktfolklore.
Rendite und Risiko im Langfristtest
Historische Daten sprechen eine klare Sprache: Aktien liefern langfristig die höhere reale Rendite, schwanken aber deutlich stärker. Gemäss dem Global Investment Returns Yearbook 2024 lagen globale Aktien seit 1900 real bei rund 5% p.a., Schweizer Aktien um 4% bis 4,5% p.a., während Obligationen knapp über 1% und Cash nahe Null real erzielten (Quelle: Credit Suisse/Dimson-Marsh-Staunton). Diese Spreizung entscheidet über Jahrzehnte über Vermögenshöhen. In einer steuerbegünstigten Hülle wie der Säule 3a, in der Dividenden und Kursgewinne nicht laufend besteuert werden, entfaltet der Zinseszinseffekt besonders stark Wirkung.
Demgegenüber bietet das 3a-Konto planbare Zinsen, aber wenig Renditepotenzial. Nach Jahren der Nullzinsen vergüten Institute wieder spürbar, doch die Bandbreite bleibt moderat und variabel. Ob 1% bis 1,5% nominal die Inflation nachhaltig schlagen, ist offen. Für kurze Horizonte und als Parkierung vor dem Bezug kann das Konto sinnvoll sein, als Standardlösung über 20 oder 30 Jahre ist es erfahrungsgemäss teuer in Form entgangener Rendite.
Zeithorizont als Taktgeber
Der Zeithorizont ist der stärkste Hebel. Wer mehr als zehn bis fünfzehn Jahre bis zur Verrentung hat, reduziert das Risiko von negativen realen Renditen bei Aktien markant. Das Sequenzrisiko – schlechte Börsenjahre kurz vor dem Bezug – bleibt, lässt sich aber mit schrittweisen Umschichtungen in den letzten Jahren abfedern. Eine stur defensive Allokation über die gesamte Laufzeit kostet im Gegenzug Konsistenzrendite. Wichtig: Wertschwankungen mental und finanziell aushalten können und nicht prozyklisch verkaufen.
Kosten, Produktarchitektur und Regulierung
In der Säule 3a zählen Kosten doppelt: Sie schmälern die Rendite jedes Jahr und verzinsen sich negativ. Bei modernen 3a-Lösungen auf ETF- oder Indexfonds-Basis liegen die Gesamtkosten häufig zwischen 0,35% und 0,70% p.a. inklusive Produktkosten (TER) und Vermögensverwaltungs-/Depotgebühr. Klassische Bankenpakete verlangen nicht selten 0,8% bis über 1,2% p.a. plus teurere, aktiv verwaltete Fonds. Über 25 Jahre können bereits 0,5 Prozentpunkte Differenz sechsstellige Beträge ausmachen – die Rechnung geht zu Lasten der Sparerinnen und Sparer.
Ob ETF oder Indexfonds ist in der 3a weniger ideologisch als oft dargestellt. Viele Anbieter nutzen kollektive Anlagen, die wirtschaftlich wie ETFs funktionieren, aber nicht zwingend an der Börse gehandelt werden. Entscheidend sind Tiefe und Breite der Diversifikation, Transparenz, Replikationsmethode, Quellensteuereffizienz und die Summe aller Gebühren. Schweizerdomizilierte Indexfonds können die Verrechnungssteuer auf inländische Dividenden im Fonds zurückfordern; ausländische Quellensteuern sind je nach Doppelbesteuerungsabkommen teilweise nicht vollständig anrechenbar. Die Unterschiede sind technisch, aber spürbar.
Regulatorisch gilt: 3a-Wertschriftenlösungen orientieren sich an den Anlagevorschriften nach BVV 2; mit einer Risikofähigkeitserklärung lassen sich höhere Aktienquoten abbilden. Das Rahmenwerk schützt vor Klumpenrisiken, ohne die langfristige Aktienanlage zu verunmöglichen. Aufsicht und Produkttransparenz liegen u.a. bei FINMA und den Kollektivanlagengesetzen. Wer vergleicht, sollte standardisierte Dokumente – Factsheets, TER, All-in-Fee, Rebalancing- und Cash-Quoten – studieren. Marketingaussagen sind sekundär, die laufenden Kosten und die Netto-Asset-Allocation sind primär.
Steuern, Liquiditätsplanung und Praxis
Die steuerliche Abzugsfähigkeit ist der Joker der Säule 3a. Für Erwerbstätige mit Pensionskasse lag der Maximalbetrag 2024 bei CHF 7'056; Einzahlungsabzüge mindern das steuerbare Einkommen unmittelbar (Quelle: ESTV). Erträge innerhalb der 3a bleiben bis zum Bezug steuerfrei; der Bezug selbst wird separat zu einem ermässigten Tarif besteuert. Damit steigen die relativen Vorteile eines renditestarken, aber kostengünstigen Portfolios mit der Anlagedauer. Die SNB-Inflationshistorie mahnt, dass selbst moderate Teuerung über Jahrzehnte Kaufkraft frisst – ein nominal attraktives Konto kann real enttäuschen (Quelle: SNB).
Praktisch bewährt sich die Kombination aus Disziplin und Einfachheit. Automatisches Einzahlen reduziert Entscheidungsfriktion. In Wertschriftenlösungen ist eine klare, global diversifizierte Strategie hilfreicher als Taktieren. Gegen Ende der Erwerbsphase kann eine sanfte Reduktion der Aktienquote das Sequenzrisiko mindern, ebenso die gestaffelte Auflösung mehrerer 3a-Konten über verschiedene Jahre, soweit gesetzlich zulässig. Das ist keine Empfehlung, sondern ein Hinweis auf Mechaniken, die der Gesetzgeber ermöglicht.
Fazit: Wer in der Säule 3a primär Kapital erhalten und kurzfristige Schwankungen vermeiden will, findet im Konto ein ruhiges Becken – mit begrenzter realer Rendite. Wer Vermögen über lange Zeit mehren möchte, erhält mit breit gestreuten, günstigen ETF- und Indexfonds-Lösungen das strukturell überlegene Werkzeug, muss aber zwischenzeitliche Verluste aushalten. In jedem Fall lohnt der nüchterne Blick auf Gebühren, Nettoallokation und die Passung zum persönlichen Horizont. Quellen wie das Global Investment Returns Yearbook, die FINMA- und ESTV-Publikationen bieten dafür belastbare Referenzpunkte – Beratung ersetzen sie nicht.
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