Aktien, Fonds oder ETF: So wählen Sie das passende Vehikel
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Aktien, Fonds oder ETF: So wählen Sie das passende Vehikel

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Direktaktie, aktiver Fonds oder ETF? Der Vergleich zeigt Unterschiede bei Kosten, Risiko, Liquidität und Steuern – und hilft, das passende Vehikel zu wählen.

Aktien, aktive Fonds oder ETF? Die Entscheidung klingt banal, prägt aber Rendite, Risiko und Verhalten über Jahre. Wer das passende Vehikel wählt, definiert die Spielregeln: Wie breit wird diversifiziert, wie hoch sind laufende Kosten, wie flexibel ist der Handel und welche steuerlichen sowie regulatorischen Details gelten in der Schweiz. Der folgende Überblick ist keine Empfehlung, sondern ein Kompass, der zentrale Unterschiede einordnet.

Was unterscheidet Aktien, Fonds und ETF?

Die Direktanlage in Aktien bietet maximale Gestaltungsfreiheit. Anlegerinnen und Anleger steuern Konzentration, Gewichtung und Timing selbst. Das Potenzial ist gross, das Einzeltitelrisiko ebenfalls. Eine einzelne Aktie kann sich verdoppeln oder halbieren; die Streuung über viele Titel erfordert Kapital, Disziplin und Zeit. Transaktionskosten und psychologische Fallen – vom Herdenverhalten bis zur Verlustaversion – schlagen sich in der Netto-Performance nieder.

Aktive Fonds bündeln Vermögen in einem regulierten Vehikel, meist mit täglichem Nettoinventarwert (NAV). Ein Managementteam selektioniert Titel und gewichtet sie nach Überzeugung. Das Ziel ist, einen Vergleichsindex zu schlagen. Empirie mahnt zur Nüchternheit: Gemäss SPIVA-Scorecards von S&P Dow Jones Indices unterperformt ein grosser Teil aktiver Fonds ihren Benchmark nach Kosten über 5 bis 10 Jahre, besonders in liquiden, effizienten Märkten. Morningstars Active/Passive Barometer zeigt ähnlich, dass die Erfolgsquoten in den günstigsten Kostenquartilen höher sind – Kosten sind ein verlässlicher Prädiktor.

ETF replizieren Indizes regelgebunden und transparent. Die laufenden Gebühren (TER) sind oft tief, etwa 0,05–0,20% für breite Aktienindizes, und die Abweichung zum Index hängt von Tracking-Differenz, Steuereffekten und Replikationsmethode ab. ETF werden wie Aktien fortlaufend an der Börse gehandelt, mit Market Makern, die Liquidität bereitstellen. Intraday-Handel bringt Flexibilität, allerdings auch die Versuchung zum Überhandeln.

Kosten, Liquidität und Transparenz

Kosten wirken stetig. Neben der TER zählen beim ETF der Spread und die Tracking-Differenz, beim aktiven Fonds Performance Fees und allfällige Swing-Pricing-Effekte, bei Aktien der Spread sowie Courtagen. Bei CHF 100'000 über 20 Jahre bedeuten 0,50 Prozentpunkte Kostendifferenz bei 4% Bruttorendite eine fünfstellige Summe an entgangenem Vermögen. Liquidität unterscheidet sich: ETF-Liquidität folgt primär dem Underlying, nicht dem gehandelten Volumen; aktive Fonds werden zum NAV gehandelt, meist einmal täglich; Aktien sind intraday handelbar, doch enge Titel können breite Spreads zeigen. In Sachen Transparenz liefern ETF in der Regel tägliche Bestände, aktive Fonds oft monatlich oder quartalsweise; Direktaktien sind per se transparent, erhöhen aber den Analyseaufwand.

Welches Vehikel passt zu welchem Ziel?

Wer breite Marktrendite als Kernbaustein sucht, findet in ETF robuste Werkzeuge. Sie bieten systematische Diversifikation zu tiefen Kosten und eignen sich als Fundament, auf dem sich taktische Satelliten aufsetzen lassen. Für Anlegende mit klarer Edge in einer Branche oder in der Unternehmensanalyse können Direktaktien Sinn machen – vorausgesetzt, die Konzentration ist bewusst, der Anlagehorizont lang und der Drawdown psychologisch sowie finanziell verkraftbar.

Aktive Fonds rechtfertigen ihren Platz dort, wo Märkte weniger effizient sind oder wo der Manager nachweisbar Mehrwert stiftet, etwa in Small Caps, Nischen oder bei Engagement und Stimmrechtsausübung. Entscheidend sind konsistente Prozesse, Netto-Alpha nach Kosten und eine saubere Governance. Die Datenlage bleibt streng: Laut Morningstar steigen die Erfolgschancen, je tiefer die Kosten und je länger der Beobachtungszeitraum.

Risiko, Diversifikation und Verhalten

Diversifikation ist nicht gratis, aber meist günstig zu haben. Ein Schweizer Blue-Chip-Portfolio aus drei Titeln trägt erhebliches Klumpenrisiko; ein breiter Index wie der MSCI World verteilt das Risiko auf über 1'000 Positionen. Wer Direktaktien wählt, kann das idiosynkratische Risiko nur durch Anzahl und Unkorreliertheit der Titel senken. ETF reduzieren dieses Risiko strukturell, lassen aber Marktrisiko und Währungsrisiko bestehen. Verhaltenseffekte sind oft grösser als Modellrisiken: Rebalancing, eine klare Regel zur Positionsgrösse und das Vermeiden von Performance-Chasing erhöhen die Chance, die Strategie auch in Krisen durchzuhalten.

Schweiz-spezifische Punkte: Steuern, Domizil, Regulierung

Die Schweiz ist ein regulierter, offener Fondsmarkt. UCITS-ETF und -Fonds aus Irland oder Luxemburg sind verbreitet, ebenso Schweizer Vehikel unter FINMA-Aufsicht. Für Privatanlegerinnen und -anleger sind Kapitalgewinne in der Regel steuerfrei, sofern sie als Privatvermögen gelten; Erträge aus Dividenden und Zinsen sind steuerbar. Die individuelle Situation variiert, weshalb keine steuerliche Empfehlung angezeigt ist. Praktisch relevant ist die steuerliche Deklaration über ICTax sowie die Wahl zwischen ausschüttenden und thesaurierenden Tranchen.

Beim Handel über inländische Effektenhändler fällt die eidgenössische Stempelabgabe an (typischerweise 0,075% auf inländische und 0,15% auf ausländische Wertpapiere). Dividenden unterliegen je nach Herkunftsland Quellensteuern; Fonds und ETF können diese teils über Doppelbesteuerungsabkommen auf Fondsebene optimieren, was die Tracking-Differenz beeinflusst. Für ETF zählt zudem die Replikationsmethode: Physische Replikation minimiert Kontrahentenrisiko, während synthetische Lösungen via Swaps Effizienz bei komplexen Indizes bieten, aber Gegenparteirisiken und Collateral-Qualität in den Fokus rücken. Wertpapierleihe kann Erträge erhöhen; wichtig sind klare Regeln zur Ertragsaufteilung und zu Sicherheiten.

Für CHF-orientierte Portfolios stellt sich die Frage der Währungsabsicherung. Hedged-Share-Classes reduzieren kurzfristige FX-Volatilität gegen laufende Hedge-Kosten; ungesicherte Tranchen tragen Währungsschwankungen mit, was sich langfristig neutralisieren kann, zwischenzeitlich aber die Nerven testet. In allen Fällen hilft eine schriftlich fixierte Anlagestrategie, um Entscheidungen konsistent zu treffen und Marktlärm auszublenden.

Die Wahl zwischen Aktie, aktivem Fonds und ETF ist weniger eine Glaubensfrage als ein Architekturthema. Wer Ziele, Zeithorizont, Risikofähigkeit und Kostenrahmen sauber definiert, kombiniert die Vehikel komplementär: ETF als Kern, selektive aktive Bausteine dort, wo Überzeugung und Evidenz es tragen, und Direktaktien, wenn Analyse, Geduld und Disziplin vorhanden sind. Damit wird die Form dem Zweck gerecht – und nicht umgekehrt.

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