Was ist ein ETF? – einfach erklärt
ETF & Fonds

Was ist ein ETF? – einfach erklärt

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Was ist ein ETF? Der indexnahe Fonds kombiniert Börsenhandel mit breiter Diversifikation. So funktionieren Aufbau, Kosten, Liquidität und Risiken – kompakt.

ETFs haben sich in gut zwei Jahrzehnten vom Nischenprodukt zum Standardbaustein entwickelt. Weltweit verwalten sie gemäss Branchenbeobachtern wie ETFGI über USD 11'000 Mrd. Die Idee ist schlicht: Ein ETF bildet einen Index nach und ermöglicht es, diesen wie eine Aktie an der Börse zu handeln. Damit verbindet das Vehikel die Diversifikation eines Fonds mit der Handelbarkeit eines Wertpapiers – zu in der Regel tiefen laufenden Kosten. Doch hinter der scheinbaren Einfachheit steckt ein klar strukturiertes System, das es zu verstehen gilt.

Wie ein ETF funktioniert

Ein ETF verfolgt das Ziel, die Wertentwicklung eines Index möglichst exakt nachzuvollziehen. Dazu erwirbt der Fonds die Indexbestandteile physisch oder nutzt Derivate, um die Rendite zu replizieren. Bei physischer Replikation gibt es zwei Hauptwege: vollständige Nachbildung, bei der alle Titel gehalten werden, und Sampling, das mit einer repräsentativen Auswahl arbeitet, wenn ein Index sehr breit oder illiquide ist. Synthetische ETFs schliessen dagegen Tauschgeschäfte mit Banken ab; sie halten ein Ersatzportfolio und erhalten die Indexrendite via Swap. Jede Methode hat Vor- und Nachteile in Bezug auf Genauigkeit, Kosten, Steuern und Risiken.

Besonders am ETF ist der zweistufige Marktmechanismus. Auf dem Primärmarkt schaffen autorisierte Teilnehmer, meist grosse Banken oder Broker, neue Anteile, indem sie dem Fonds entweder den Korb an Indexwerten liefern oder Geld überweisen. Im Gegenzug erhalten sie ETF-Anteile, die sie am Sekundärmarkt an der Börse handeln. Diese Creation- und Redemption-Prozesse erlauben es, Angebot und Nachfrage auszugleichen. Durch Arbitrage halten Market Maker den Börsenpreis nahe am Nettoinventarwert (NAV). An der SIX Swiss Exchange sorgen ausgewiesene Spezialisten für laufende Geld-/Brief-Kurse; die resultierenden Spreads sind ein wichtiges Qualitätsmerkmal für Anlegerinnen und Anleger in der Schweiz.

Kosten im Blick: TER, Spreads und Tracking-Differenz

Die Total Expense Ratio (TER) ist der bekannteste Kostenindikator, deckt aber nicht alles ab. Für die effektive Abweichung vom Index zählt die Tracking-Differenz, also die jährliche Renditedifferenz zwischen ETF und Benchmark. Sie umfasst neben der TER auch Erträge aus Wertpapierleihe, allfällige Quellensteuer-Effekte, Swap-Kosten und Replikationsfriktionen. Beim Handel fallen zusätzlich Transaktionsgebühren, allfällige Währungsumtauschkosten, der Spread sowie in der Schweiz die eidgenössische Stempelabgabe an, deren Höhe von Domizil und Art des Wertpapiers abhängt. Die Summe dieser Faktoren entscheidet, ob ein ETF seine Preisführerschaft gegenüber aktiven Fonds in der Praxis ausspielt.

Risiken, Konstruktion und Auswahl

ETFs sind keine Garantiefonds. Das zentrale Marktrisiko bleibt: Fällt der abgebildete Markt, fällt auch der ETF. Hinzu kommen konstruktionsbedingte Punkte. Tracking Error bezeichnet die kurzfristige Schwankung der Abweichung vom Index – je kleiner, desto verlässlicher die Nachbildung. Physische Replikation reduziert Kontrahentenrisiken, bringt aber potenziell Wertpapierleihe und damit operative Risiken. Synthetische Replikation begrenzt oft Steuerlecks bei gewissen Märkten, erhöht jedoch das Exposure zum Swap-Partner; gängige UCITS-Regeln setzen dafür enge Grenzen und verlangen Sicherheiten. In der Schweiz fallen die meisten an der SIX gehandelten ETFs unter europäische UCITS- oder schweizerische Kollektivanlagevorschriften, was Transparenz- und Diversifikationsvorgaben mit sich bringt. Auf die konkrete Rechts- oder Steuerlage kommt es dennoch im Einzelfall an; offizielle Dokumente des Anbieters und regulatorische Hinweise der FINMA oder der SIX bieten Orientierung.

Liquidität verdient besondere Aufmerksamkeit. Sie ergibt sich nicht nur aus dem Börsenumsatz, sondern aus der Handelbarkeit der zugrunde liegenden Indexwerte. Ein ETF auf liquide Blue Chips weist meist enge Spreads auf, während Nischenindizes breitere Spreads und grössere Abweichungen vom NAV aufweisen können. Rund um Marktöffnungen, Datenpublikationen oder in volatilen Phasen weiten sich Spreads typischerweise aus. Untersuchungen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich und Marktdaten der SIX zeigen, dass der Creation/Redemption-Mechanismus in Stressphasen meist stabil funktioniert, die Ausführungskosten aber temporär steigen.

Weitere Auswahlkriterien betreffen Fondsdomizil, Steuerbehandlung von Dividenden, den Umgang mit Quellensteuern sowie die Ausschüttungspolitik. Ausschüttende ETFs zahlen Erträge aus; thesaurierende reinvestieren sie. Für Investorinnen und Investoren in der Schweiz sind zudem steuerliche Verlautbarungen der Eidgenössischen Steuerverwaltung und die Einstufung der Erträge relevant. Unterschiede nach Rechtsraum und persönlicher Situation sind möglich, weshalb die Lektüre der Fondsunterlagen (KID, Prospekt, Jahresbericht) unerlässlich ist.

Schliesslich lohnt ein Blick auf die Evidenz. SPIVA-Studien von S&P Dow Jones Indices zeigen regelmässig, dass über längere Zeiträume nur eine Minderheit aktiver Fonds ihre Benchmarks nach Kosten übertrifft. ETFs sind kein Allheilmittel, doch sie erlauben es, definierte Marktsegmente transparent und kostengünstig zu besetzen. Für die Schweiz bedeutet das: Ein liquider Zugang über die SIX, klare Offenlegungspflichten und eine breite Palette von Kern- bis Themen-ETFs der grossen Anbieter.

Fazit: Ein ETF ist ein effizientes Werkzeug, kein Versprechen. Wer versteht, wie Replikation, Kosten, Liquidität und Regulierung zusammenspielen, kann die Stärken des Instruments realistisch einschätzen. Das ist keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung; es ist eine Einladung, Produktunterlagen und seriöse Quellen wie SIX, FINMA, Anbieterreports und unabhängige Studien heranzuziehen – und Entscheidungen auf Basis fundierter Information zu treffen.

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