DCA vs. Value Averaging: zwei Sparpläne im Vergleich
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DCA vs. Value Averaging: zwei Sparpläne im Vergleich

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DCA vs. Value Averaging: Zwei Wege, regelbasiert in volatile Märkte zu investieren. Wo liegen Stärken, Risiken und Kosten – und was bedeutet das für die Praxis?

Regelbasierte Sparpläne geben Struktur, wo Kurse nervös sind. Zwei etablierte Ansätze dominieren die Debatte: Dollar-Cost Averaging (DCA) und Value Averaging (VA). Beide wollen Timingfehler dämpfen und Disziplin fördern. Doch sie tun es mit sehr unterschiedlicher Logik, Finanzierungslasten und psychologischen Implikationen. Wer die Mechanik versteht, wählt bewusster – und setzt die Strategie konsistenter um.

Mechanik und Psychologie: konstant vs. zielbasiert

DCA ist simpel: Man investiert periodisch einen fixen Betrag, unabhängig vom Kurs. Fallen die Preise, kauft man mehr Anteile, steigen sie, weniger. Der Charme liegt in der Automatik. Sie reduziert Entscheidungsdruck und das Risiko, ausgerechnet nach starken Anstiegen gross einzusteigen. Studien zeigen, dass DCA vor allem Verhaltensfehlern entgegenwirkt, nicht zwingend die Rendite maximiert. Vanguard kommt zum Schluss, dass DCA gegenüber einer Sofortanlage oft geringere Schwankungen, aber auch niedrigere erwartete Erträge bringt, weil ein Teil des Kapitals länger in Cash bleibt (Vanguard, 2012).

Value Averaging, popularisiert von Michael E. Edleson, dreht den Ansatz um. Nicht der Einzahlungsbetrag ist fix, sondern der gewünschte Portfoliowert auf einem vorgegebenen Pfad. Man definiert eine Zielkurve – etwa eine lineare Steigerung um CHF 500 pro Monat plus eine Annahme für Markterträge. Liegt der Portfoliowert darunter, stockt man stärker auf; liegt er darüber, investiert man weniger oder entnimmt. VA zwingt, nach Rücksetzern mehr Kapital bereitzustellen und nach Rallyes zurückhaltender zu werden (Edleson, 2011).

Psychologisch kann VA bestechend sein: Es institutionalisiert das „Buy the Dip“. Praktisch verlangt es jedoch Flexibilität. In scharfen Bärenmärkten können die erforderlichen Zusatzbeiträge hoch ausfallen. Wer keine Liquiditätsreserve hat oder seine Einzahlungen nicht stark variieren kann, gerät unter Druck – und läuft Gefahr, die Regel gerade dann zu brechen, wenn sie am meisten Wert stiften soll.

Rendite, Risiko und Pfadabhängigkeit

Unter Renditegesichtspunkten ist die Literatur klarer zum Vergleich „Sofortanlage vs. DCA“ als zu „DCA vs. VA“. Über lange Horizonte schnitt die Sofortanlage historisch oft besser ab, weil das Geld früher dem Markt ausgesetzt ist. DCA reduziert kurzfristige Schwankungen und das Risiko, am Hoch einzusteigen, zahlt dafür mit einer Cash-Drag-Komponente. Das ist ein bewusster Trade-off zwischen Risiko und erwarteter Rendite (vgl. Vanguard 2012; CFA Institute, 2011).

Für VA zeigen Backtests in verschiedenen Märkten teils höhere Endwerte als DCA, allerdings unter Annahmen zur Zielkurve, zur Ertragsverteilung und zur Verfügbarkeit von zusätzlichem Kapital. Der methodische Pferdefuss liegt in der Pfadabhängigkeit: VA verschiebt Timing- und Liquiditätsrisiko. Kommt es zu einer langen Verlustphase, kumulieren sich hohe Nachschussforderungen. In der Praxis entscheidet nicht nur die Marktrendite, sondern auch, ob Anlegerinnen und Anleger die geforderte Kapitalzufuhr leisten können und wollen. Ohne konsequente Regeltreue verpufft der theoretische Vorteil.

Ein vereinfachtes Beispiel illustriert die Spannungen. Angenommen, ein Index fällt in sechs Monaten um 25% und erholt sich danach allmählich. DCA investiert konstant, profitiert im Tief von tieferen Preisen, bleibt aber stets im Plan. VA verlangt in der Schwächephase deutlich höhere Beiträge, damit die Zielkurve eingehalten wird. Wer diese Mittel nicht vorhält, verfehlt das Ziel und verhält sich am Ende wie ein unterfinanziertes DCA – nur mit mehr Komplexität. Umgekehrt kann VA in Seitwärtsmärkten mit Volatilität Vorteile aus dem antizyklischen Nachkaufen ziehen, sofern die Liquidität vorhanden ist.

Transaktions- und Opportunitätskosten sind der zweite Treiber. VA generiert durch variable, teils grössere Umsätze mehr Handelsvolumen, potenziell höhere Gebühren und Spreads. DCA lässt sich meist mit wenigen, standardisierten Ausführungen abbilden. Je höher die Kosten pro Trade, desto grösser der Vorteil simpler, seltener Transaktionen.

Umsetzung und Kosten im Schweizer Kontext

In der Schweiz bieten Banken und Neo-Broker unterschiedliche Wege, periodisch in ETF und Fonds zu investieren. DCA ist technisch trivial: ein Dauerauftrag in einen breit diversifizierten ETF, monatliche oder quartalsweise Ausführung, fertig. Gebühren, Mindestbeträge und Ausführungsrhythmen variieren stark zwischen Anbietern; die effektive Belastung setzt sich aus Depotgebühren, Orderkosten und Produktkosten (TER) zusammen. Bei tiefen Ticketgrössen wirken Mindestgebühren überproportional. Eine Bündelung auf quartalsweise Ausführung kann helfen, die relative Kostenquote zu senken.

VA ist anspruchsvoller. Es benötigt eine Zielpfad-Definition, eine belastbare Liquiditätsreserve und eine saubere Protokollierung. Wer mit ETF arbeitet, sollte auf enge Spreads und genügend Marktliquidität achten, um Slippage zu begrenzen. Steuerlich gilt es, Umschichtungen und allfällige Ausschüttungen korrekt zu erfassen; spezifische Steuerfragen hängen von der individuellen Situation ab und gehören in fachkundige Hände. Unabhängig vom Ansatz lohnt eine schriftliche Anlagestrategie, die Einzahlungslogik, Rebalancing-Regeln und Eskalationspfade in Stressphasen festhält. Das reduziert das Risiko, im entscheidenden Moment prozyklisch zu werden.

Fazit: DCA und VA sind Werkzeuge, keine Wundermittel. DCA punktet mit Einfachheit, Planbarkeit der Cashflows und robuster Umsetzbarkeit – ideal, wenn Automatisierung und Disziplin im Vordergrund stehen. VA kann in turbulenten Seitwärtsphasen Mehrwert liefern, verlangt dafür aber flexible Mittel, eiserne Regeltreue und ein gutes Kostenregime. Welche Logik besser passt, hängt weniger von der nächsten Marktprognose ab als von Liquidität, Nervenstärke und operativer Exzellenz. Dieser Text ist keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung.

Quellen: Michael E. Edleson, Value Averaging, 2. Auflage, Wiley, 2011; Vanguard, Dollar-cost averaging just means taking risk later, 2012; CFA Institute Research Foundation, Dollar-Cost Averaging, 2011; Morningstar, Does Dollar-Cost Averaging Work?, 2020.

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