Den passenden Vermögensverwalter finden
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Den passenden Vermögensverwalter finden

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Den passenden Vermögensverwalter zu finden, ist weniger eine Stilfrage als eine Entscheidung über Prozesse, Anreize und Kontrolle. Die Schweizer Landschaft ist breit: von unabhängigen Vermögensverwaltern über bankennahe Anbieter bis zu Multi-Family-Offices.

Am Anfang steht die Mandatsform: diskretionär oder beratend. Diskretionäre Mandate übertragen Anlageentscheide an den Verwalter – geeignet, wenn Geschwindigkeit, Disziplin und klare Zuständigkeiten gefragt sind. Beratungsmandate halten die Entscheidungshoheit beim Kunden, dafür erfordern sie Zeit und Marktverständnis. Unternehmer:innen mit volatilen Liquiditätsbedürfnissen oder Konzentrationsrisiken (z. B. grosse Firmenbeteiligungen) fahren oft besser mit einer klaren Policy, die Liquiditäts- und Risikobudgets vorgibt und im Tagesgeschäft Freiräume lässt.

Regulatorisch ist die Schweiz seit 2020 auf einem neuen Fundament: Vermögensverwalter benötigen eine FINMA-Bewilligung nach FINIG und unterstehen einer laufenden Aufsicht durch eine anerkannte Aufsichtsorganisation. LSFin regelt Verhaltenspflichten, Kundensegmentierung (privat, professionell, institutionell), Angemessenheits- und Eignungsprüfung sowie die Pflicht zur Ombudsstelle. Das ist kein Papiertiger. Die Segmentierung bestimmt, wie tief die Prüfung Ihrer Kenntnisse und Risiken geht und welche Produkte zugänglich sind. Wer spezifische Bedürfnisse hat – etwa Lombardkredite, strukturierte Produkte oder Private Markets – muss sicherstellen, dass der Verwalter die entsprechende Zulassung, Prozesse und Erfahrung mitbringt.

Die Rolle der Depotbank ist eigenständig. Sie verwahrt Vermögen, setzt Transaktionen um und sorgt für Abwicklung, Reporting und Steuerbelege. Trennung von Vermögensverwaltung und Verwahrung schafft Kontrolle: Sie sehen, welche Gebühren wohin fliessen, und reduzieren Gegenparteirisiken. Unabhängige Verwalter arbeiten meist mit mehreren Depotbanken. Das eröffnet Wahlmöglichkeiten bei Preisen und Services, verlangt aber konsolidierte Berichterstattung und saubere Schnittstellen.

Due Diligence: People, Prozess, Performance

Gute Vermögensverwaltung ist wiederholbar, wenn der Prozess sitzt. Fragen Sie nach der Anlagephilosophie: Top-down, Bottom-up, faktor- oder risikobasiert? Wie werden Asset Allokation, Titelselektion und Risikosteuerung verzahnt? Entscheidend ist nicht die perfekte Folie, sondern Konsistenz über Zyklen. Wer in Boomjahren glänzt, in Stressphasen aber die Nerven verliert, hat kein tragfähiges Modell.

Performance ohne Risiko ist ein Märchen. Verlangen Sie risikoadjustierte Kennzahlen über mehrere Jahre: Volatilität, maximaler Drawdown, Tracking Error versus Benchmark und die Zeit, die benötigt wurde, um Verluste aufzuholen. Wichtig sind Nettoerträge nach allen Gebühren. Achten Sie auf Survivorship- und Auswahlverzerrungen: Musterdepots sind hübsch, aber nur reale, mandatsnahe Daten zählen. Eine GIPS-konforme Darstellung schafft Vergleichbarkeit, ist aber kein Muss – falls sie fehlt, sollten Annahmen und Rechenwege transparent offengelegt werden.

Menschen bleiben der Hebel. Wer trifft die Entscheide, wer kontrolliert sie? Key-Person-Risiko ist real, insbesondere bei Boutiquen. Ein eingespieltes Team mit klaren Stellvertretungen, dokumentierten Prozessen (Vier-Augen-Prinzip, Handels- und Limitregeln) und gelebter Fehlerkultur ist belastbarer als eine Ein-Mann-Show mit glänzendem Pitch. Technologie ist nicht Kür, sondern Basis: Order- und Risikosysteme, Datenqualität, Cybersecurity und ein sicheres Client-Portal sind heute Hygienefaktoren.

Kosten, Interessenkonflikte und Transparenz

Gebühren sind Strategie. Ein tiefer Basissatz mit versteckten Produktkosten wird langfristig teurer als ein klar bepreistes, indexnahes Mandat. Verlangen Sie eine vollständige Kostenübersicht: Vermögensverwaltungsgebühr, Depot- und Transaktionskosten, Produktkosten (TER), allfällige Performance Fees. Bei Performance Fees zählen Details: Hurdle Rate, High-Water-Mark, Reset-Logik. Sauber konstruiert, richtet sie Anreize aus; schlecht konstruiert, fördert sie Risikoaufschub.

Retrozessionen bleiben ein Prüfstein. Schweizer Gerichte haben festgehalten, dass solche Zuwendungen dem Kunden zustehen, sofern er nicht nach umfassender Aufklärung ausdrücklich verzichtet. Unter LSFin sind Zuwendungen zulässig, wenn sie offengelegt sind und entweder weitergegeben oder wirksam abbedungen werden. Wer „clean“ investieren will, verlangt saubere Anteilsklassen ohne Retros und eine schriftliche Erklärung, wie der Verwalter Drittvergütungen handhabt. Ebenso wichtig: offene Architektur bei Produkten und Best Execution über mehrere Handelsplätze, nicht nur die Hausbank.

Transparenz entscheidet den Alltag. Wie sieht das Reporting aus – verständlich, zeitnah, konsolidiert über mehrere Banken und Währungen? Gibt es einen klaren Bezug zur Anlagestrategie und zur Benchmark? Erhalten Sie Ex-ante- und Ex-post-Risikoberichte, und werden Abweichungen begründet? Service-Level-Vereinbarungen zu Erreichbarkeit, Reaktionszeiten und Turnaround bei Spezialanliegen reduzieren Friktion. Wer international unterwegs ist, achtet auf Cross-Border-Kompetenz und auf saubere Schnittstellen zu Steuerberatenden und Treuhand – der Verwalter koordiniert, ersetzt aber keine Steuer- oder Rechtsberatung.

Am Ende steht ein strukturierter Suchprozess. Eine Longlist, ein kurzes Request for Information und Interviews mit zwei bis drei Finalisten reichen oft aus, um Unterschiede sichtbar zu machen. Bitten Sie um Beispielreports, einen Vertragsentwurf und eine Probesitzung zum Risikoprofil. Gute Häuser erklären, was sie können – und was nicht. Wer das eigene Mandat ehrlich abgrenzt, findet eher den Partner, der in Stressphasen liefert: mit klaren Entscheidungen, sauberer Governance und der nötigen Disziplin, um Strategien nicht im falschen Moment zu wechseln.

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