Notgroschen in der Schweiz: Höhe und Parkplätze im Check
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Notgroschen in der Schweiz: Höhe und Parkplätze im Check

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Wie gross sollte der Notgroschen in der Schweiz sein – und wo parkiert man ihn sinnvoll? Ein nüchterner Blick auf Liquidität, Sicherheit und Rendite.

Wer finanziell handlungsfähig bleiben will, braucht einen Notgroschen. Die Frage ist nicht ob, sondern wie hoch und wo dieses Polster liegen sollte. In der Schweiz prallen dabei drei Ziele aufeinander: sofortige Liquidität, hohe Sicherheit und möglichst wenig Kaufkraftverlust. Perfekt vereinen lassen sich diese Ziele nie. Doch eine klar strukturierte Lösung reduziert Kompromisse und erhöht die Robustheit des Gesamtvermögens.

Wie hoch sollte der Notgroschen sein?

Eine praxiserprobte Faustregel sind drei bis sechs Monatsausgaben. Gemeint sind die unvermeidbaren Fixkosten: Miete oder Hypothekarzins, Krankenkassenprämien, Steuern als monatlich zurückgelegte Akonti, ÖV oder Auto, Grundbedarf. Wer selbständig ist, stark schwankende Einkommen hat oder eine Familie mit einem Haupterwerbseinkommen trägt, fährt mit sechs bis zwölf Monaten konservativer. Eigentümer:innen mit Hypothek und variablem Einkommen zählen ebenfalls zur Fraktion «mehr Puffer». Wer dagegen eine hohe, sichere Pensionskassenrente oder zwei stabile Einkommen hat, kann am unteren Ende der Bandbreite planen.

Der Notgroschen ist kein Renditebaustein, sondern eine Versicherung gegen Liquiditäts- und Marktschocks. Er stabilisiert das Gesamtportfolio: Wer in einer Stressphase auf Cashreserven zurückgreifen kann, muss keine Anlagen zu schlechten Preisen verkaufen. Dieser «Rebalancing-Puffer» reduziert auch Verhaltensfehler. Gleichzeitig gilt: Zu viel Cash bremst langfristig die Rendite, insbesondere wenn die Teuerung anzieht. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) zielt mittel- bis langfristig auf Preisstabilität im Bereich 0% bis 2%, doch reale Geldwerte können in Phasen höherer Inflation an Kaufkraft verlieren. Der passende Betrag ist daher ein individueller Kompromiss zwischen Risikotoleranz, Einkommenssicherheit und Alternativrendite.

Wichtig ist zudem die Währung. Für Lebenshaltungskosten in der Schweiz gehört der Notgroschen in CHF. Fremdwährungsrisiken haben im Sicherheitsbudget nichts verloren. Grenzgänger:innen oder Haushalte mit regelmässigen Ausgaben in EUR oder USD können in seltenen Fällen einen Teil in dieser Währung halten, sollten aber Wechselkursvolatilität bewusst steuern.

Wo parkt man das Geld?

Für die erste Verteidigungslinie taugen klassische Sicht- und Sparkonten bei soliden Schweizer Banken. Der Vorteil ist maximale Verfügbarkeit und Einlagensicherung. In der Schweiz schützt das System von esisuisse gedeckte Einlagen bis CHF 100'000 pro Kundin/Kunde und Bank; die gesicherten Auszahlungen sind über ein branchenfinanziertes System bis insgesamt CHF 8 Mrd. abgesichert. Einlagen sind zudem im Konkursfall privilegiert. Zinsen auf solchen Konten folgen grob dem SNB-Leitzins, werden aber von Banken unterschiedlich weitergegeben. Sparkonten können Rückzugslimiten und Kündigungsfristen haben; wer den Notgroschen dort hält, sollte die Limiten kennen und den frei verfügbaren Anteil ausreichend hoch wählen.

Geldmarktfonds in CHF: Liquidität mit leichter Rendite

Für den Teil des Notgroschens, der nicht tagesgleich benötigt wird, sind geldmarktnahe Lösungen eine Überlegung wert. CHF-Geldmarktfonds investieren in sehr kurzfristige, erstklassige Schuldner und zielen darauf, den SARON nach Kosten abzubilden. Sie unterstehen dem Kollektivanlagerecht (KAG) und der Aufsicht der FINMA. Die Liquidität ist in der Regel täglich, Kosten sind tief, das Zinsrisiko minimal. Zwei Einschränkungen bleiben: Geldmarktfonds fallen nicht unter die Einlagensicherung, und ihr Anteilspreis kann in Stressphasen geringfügig schwanken. In der Schweiz ist «breaking the buck» äusserst selten, ausgeschlossen ist es nicht. Wer diese Restunsicherheit vermeiden will, bleibt beim Bankguthaben – verzichtet dann aber oft auf einen kleinen Renditevorsprung gegenüber Standard-Sichtkonten.

Festgelder und Kassenobligationen sind für den Kern des Notgroschens weniger geeignet. Die Laufzeiten fixieren den Zins, aber die Liquidität ist eingeschränkt und vorzeitige Rückzüge sind teuer oder unmöglich. Wer dennoch einen Teil stufenweise staffelt, sollte nur den Betrag binden, der realistisch nicht kurzfristig benötigt wird. Nicht geeignet sind volatile Anlageklassen wie Aktien- oder Unternehmensanleihenfonds, ebenso wenig Kryptotoken oder sogenannte «Stablecoins», deren Stabilitätsversprechen rechtlich und operativ Gegenparteirisiken bergen.

Fehler vermeiden und pragmatisch umsetzen

In der Praxis hat sich eine Staffelung bewährt. Ein bis drei Monatsausgaben liegen als sofort verfügbare Sichtguthaben bei einer erstklassigen Bank. Der Rest parkiert auf einem gut verzinsten Sparkonto ohne restriktive Rückzugsfristen oder in einem CHF-Geldmarktfonds mit sehr kurzer Laufzeit und tiefen Gebühren. Wer hohe Kontostände hat, verteilt über mehrere Banken, um die Deckelung der Einlagensicherung zu beachten. Sicherheit lässt sich zudem durch die Wahl systemrelevanter Institute und durch die Vermeidung unnötiger Gegenparteirisiken erhöhen.

Operativ hilft Disziplin. Ein separates Konto verhindert, dass der Notgroschen unbemerkt in den Konsum fliesst. Regelmässige, automatisierte Überträge füllen das Polster auf, bis die Zielgrösse erreicht ist. Danach genügt eine periodische Kontrolle, etwa jährlich oder bei Lebensereignissen wie Jobwechsel, Familienzuwachs oder Immobilienkauf. Steigen die Fixkosten, wächst der Zielbetrag; sinken sie, kann der Überschuss ins langfristige Portfolio fliessen.

Makroperspektivisch lohnt der Blick auf die Zinslandschaft. Die SNB steuert mit ihrem Leitzins die kurzen Geldmarktsätze; Sparzinsen und Renditen von Geldmarktfonds reflektieren diese Politik mit Verzögerung. Nach Zinsanpassungen reagieren Banken heterogen, weshalb ein Marktvergleich sinnvoll ist. Die SNB publiziert laufend Daten zu Inflation, Leitzins und SARON-Entwicklung, die Anleger:innen als Referenz dienen können (snb.ch).

Der Notgroschen ist eine stabile Brücke zwischen Alltag und Kapitalmarkt. Er kostet in guten Zeiten Rendite, schafft in schlechten Zeiten Freiheit. Diese Optionalität ist selten kostenlos – aber für viele Portfolios die günstigste Versicherung. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ist keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung.

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