Depot eröffnen in der Schweiz: So gehen Sie vor
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Depot eröffnen in der Schweiz: So gehen Sie vor

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Wer in der Schweiz ein Depot eröffnen will, braucht mehr als eine App. Der Leitfaden erklärt Auswahl, Kosten, Regulierung und Ablauf Schritt für Schritt.

Ein Wertschriftendepot ist das Fundament jeder Anlagestrategie. Wer in der Schweiz ein Depot eröffnen will, profitiert von einer soliden Marktinfrastruktur, strenger Aufsicht und breiter Produktauswahl. Entscheidend ist, den Prozess systematisch anzugehen: Ziele klären, Anbieter vergleichen, Kosten verstehen, dann sauber onboarden und diszipliniert handeln. Dieser Beitrag liefert einen praxisnahen Ablauf – ohne konkrete Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung.

Ziele, Anbieterwahl und Schutzmechanismen

Am Anfang steht die Zweckbestimmung. Suchen Sie ein All-in-one-Angebot mit Beratung, oder reicht eine schlanke, günstige Ausführungsplattform? Universalbanken bieten integrierte Lösungen, sind aber oft teurer. Reine Online-Broker sind kosteneffizient und schnell, setzen jedoch mehr Eigeninitiative voraus. Für Vieltrader zählt die Ausführungsgeschwindigkeit und die Marktanbindung, für Langfristanleger eher die Gesamtkosten.

In der Schweiz unterstehen Banken und Effektenhändler der Aufsicht der FINMA. Kundengelder auf Konten sind bei einem Konkurs bis CHF 100'000 pro Bank und Kunde durch esisuisse privilegiert. Wertpapiere im Depot werden als segregiertes Kundeneigentum geführt und über zentrale Infrastrukturen wie SIX SIS verwahrt (SIX SIS). Das schützt vor der Insolvenz des Instituts; Markt- und Emittentenrisiken bleiben selbstverständlich bestehen. Prüfen Sie in den AGB, ob Ihr Anbieter Wertpapierleihe betreibt oder Marginkredite anbietet, denn das verändert das Risikoprofil.

Ebenso wichtig ist die Marktzugänglichkeit: Welche Börsen sind angebunden (SIX, BX Swiss, Xetra, NYSE/Nasdaq)? Gibt es Handel ausserhalb der Kernzeiten? Bietet der Broker Zugang zu in der Schweiz verbreiteten UCITS-ETFs und – soweit regulatorisch und produktseitig verfügbar – zu US-domizilierten ETFs? Klären Sie zudem, ob es Echtzeitkurse gibt und wie Auslandsorders abgerechnet werden.

Kosten richtig lesen

Die Preisliste entscheidet oft über die Rendite nach Kosten. Achten Sie auf:

– Transaktionsgebühren (Courtage) und Börsengebühren. Fixmodelle sind bei grossen Tickets attraktiv, Prozentmodelle bei kleinen. Transparent ist, wenn der Broker Handelsplatzgebühren separat ausweist.

– Währungswechsel: Spreads und FX-Kommissionen fallen ins Gewicht, wenn Sie in USD oder EUR handeln. Manche Anbieter bieten interne Währungskonten, andere wechseln jede Transaktion automatisch.

– Depot- und Verwahrgebühren, Inaktivitätskosten sowie Gebühren für Corporate Actions, Dividendengutschriften in Fremdwährungen oder physische Steuerbescheinigungen.

– Schweizer Stempelabgabe (Umsatzabgabe), sofern ein inländischer Effektenhändler involviert ist: 0,075% auf inländischen und 0,15% auf ausländischen Titeln. Details liefert die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV).

Ein Gesamtkostenvergleich über typische Handelsmuster (z. B. 12 Trades pro Jahr, durchschnittliches Ticket, Währungsanteil) schafft Klarheit. Wer breit diversifiziert mit ETFs investiert, sollte insbesondere laufende Produktkosten (TER) im Blick behalten.

Onboarding, Einzahlung und erster Trade

Das Onboarding ist dank Videoident und eSign in der Regel innert Minuten erledigt. Benötigt werden ein amtlicher Ausweis, Wohnsitznachweis sowie Angaben zum wirtschaftlich Berechtigten und Steuerstatus (FATCA/CRS). Anbieter müssen die Eignung oder Angemessenheit prüfen, wenn sie Beratung erbringen oder komplexe Produkte zugänglich machen. Grundlage bildet in der Schweiz das Finanzdienstleistungsgesetz (FIDLEG). Execution-only-Kunden erhalten typischerweise Risikohinweise und Produktinformationen, handeln aber eigenverantwortlich.

Nach der Eröffnung folgt die Ersteinzahlung via SEPA/CHF-Überweisung. Prüfen Sie Valutadaten und allfällige Spesen Ihrer Hausbank. Für Fremdwährungsanlagen lohnt sich ein dedizierter Währungswechsel vor dem Kauf, um doppelte Konversionen zu vermeiden. Beachten Sie zudem die Abwicklungszyklen: In den USA gilt seit Mai 2024 T+1, in Europa meist T+2. Wer knapp mit Valuta plant, riskiert Verzugsspesen oder Zinsbelastungen.

Beim ersten Kauf sind Ordertyp und Handelsplatz entscheidend. Marktorders garantieren Ausführung, nicht jedoch den Preis; in illiquiden Titeln oder bei breiten Spreads kann das teuer werden. Limitorders setzen einen Maximalpreis für Käufe beziehungsweise einen Mindestpreis für Verkäufe und geben damit mehr Kontrolle. Stop- und Stop-Limit-Orders dienen dem Risiko-Management, funktionieren jedoch nicht in jeder Marktsituation gleich gut, etwa bei Kurslücken.

Gute Plattformen zeigen das Orderbuch, die Geld/Brief-Spanne und die voraussichtlichen Gebühren vor Absenden der Order. Für ETFs lohnt sich ein Blick auf die Tageszeit: In den ersten und letzten Minuten einer Session sind Spreads oft weiter. Bei US-Werten sollte man Schweizer Lunchtimes meiden, wenn die Liquidität gering ist, und eher zur Überschneidung der Handelszeiten agieren.

Nach der Ausführung erhalten Sie Abrechnungen und periodische Depotauszüge. Für die Steuererklärung sind konsolidierte Steuerreports hilfreich; viele Anbieter stellen einen eSteuerauszug bereit. Schweizer Dividenden unterliegen einer Verrechnungssteuer von 35%, die in der Regel für in der Schweiz Steuerpflichtige anrechenbar oder rückforderbar ist (ESTV). Bei ausländischen Dividenden sind zusätzliche Quellensteuern möglich; wie diese angerechnet werden, hängt von Doppelbesteuerungsabkommen und individueller Situation ab.

Ein Anbieterwechsel ist machbar: Ein Depotübertrag ist meist als Sachübertrag ohne steuerliche Realisation möglich, kann aber Gebühren auslösen und dauert je nach Markt 1–3 Wochen. Währenddessen sind betroffene Titel oft nicht handelbar; Dividenden und Corporate Actions werden nachgetragen. Prüfen Sie die Gebühren beider Häuser und planen Sie die Liquidität.

Sicherheit bleibt zentral: Aktivieren Sie Zwei-Faktor-Authentifizierung, nutzen Sie starke, einzigartige Passwörter und prüfen Sie Empfängerkonten bei Auszahlungen. Seriöse Anbieter informieren transparent über Risiko- und Kostenfaktoren; die FINMA warnt regelmässig vor nicht bewilligten Instituten.

Fazit: Ein Depot eröffnen heisst, Entscheidungen zu strukturieren – von der Anbieterwahl über die Kosten bis zum Handel. Wer sorgfältig vergleicht, die Regulierung versteht und Prozesse sauber aufsetzt, schafft die Basis für diszipliniertes Investieren. Dieser Text ist keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung.

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