Portfolio-Tracking-Tools im Überblick: Stärken und Schwächen
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Portfolio-Tracking-Tools im Überblick: Stärken und Schwächen

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Wie gut sind Portfolio-Tracking-Tools für Schweizer Anleger:innen? Wir vergleichen Funktionsumfang, Datenqualität, Sicherheit und Kosten – praxisnah und nüchtern.

Wer sein Vermögen über mehrere Depotbanken, Währungen und Anlageklassen hinweg steuert, kommt um verlässliches Portfolio-Tracking kaum herum. Die Werkzeuge sind in den letzten Jahren deutlich reifer geworden, doch die Spreizung bei Datenqualität, Funktionsumfang und Sicherheit bleibt gross. Für Schweizer Nutzer:innen stellen Mehrwährungsfähigkeit, korrekte Dividendenverbuchung, Steuerereignisse sowie die Abdeckung lokaler Kennungen wie Valorennummern besondere Anforderungen. Ein nüchterner Blick auf die wichtigsten Dimensionen hilft, das passende Werkzeug zu wählen – ohne sich in Marketingversprechen zu verlieren.

Was gute Portfolio-Tracker leisten müssen

Das Fundament ist eine robuste Transaktionshistorie. Erst wenn Käufe, Verkäufe, Gebühren, Steuern, Splits und Dividenden vollständig und zeitlich korrekt erfasst sind, liefern Rendite- und Risikokennzahlen belastbare Aussagen. Solide Tools beherrschen sowohl zeitgewichtete Rendite (TWR) als auch geldgewichtete Rendite (IRR) und bilden Ausschüttungen inklusive Quellensteuern ab. Für Schweizer Depots ist eine saubere Währungslogik unerlässlich: Wechselkurse zum Transaktionszeitpunkt, konsistente Umrechnung der Performance in eine Referenzwährung sowie die Unterscheidung zwischen Handels- und Bewertungswährung.

Wer Portfolios steuert, braucht Vergleichsmassstäbe. Tracker sollten flexible Benchmarks erlauben – von globalen Indizes wie MSCI ACWI bis zu lokalen Grössen wie SPI oder SBI – und diese auf Portfolioebene mit der tatsächlichen Allokation abgleichen. Sinnvoll sind ferner Risikomasse wie Volatilität, maximaler Drawdown und Tracking Error. Für ETF-Lastige Depots hilft die Anzeige der effektiven Kostenlast, also TER plus realen impliziten Kosten über Spreads und Währungskonversionen, soweit Daten verfügbar. Fortgeschrittene Nutzer:innen schätzen Segmentierungen nach Region, Sektor und Stilfaktoren; hier arbeiten viele Tools mit Anbieter-Labels von MSCI, FTSE oder Morningstar.

Datenquellen, Identifikatoren und die Tücke der Detailarbeit

Die Qualität steht und fällt mit den Datenquellen. Kostenlose Tracker greifen oft auf öffentliche Kursquellen zurück, die bei Corporate Actions lückenhaft sein können. Bezahlangebote lizenzieren Referenzdaten und Corporate-Action-Feeds, was die Nachvollziehbarkeit von Spin-offs, Sonderdividenden und Umtauschangeboten verbessert. In der Schweiz kollidiert der Alltag zudem mit der Vielfalt an Identifikatoren: ISIN, Valor und Ticker werden nicht immer konsistent gemappt. Das führt zu Dubletten oder fehlerhaften Kursreihen, wenn etwa ein in USD gelisteter ETF in einer CHF-Tranche gehalten wird. Schon kleine Abweichungen summieren sich. Nicht verbuchte Dividenden oder falsche Stichtage verzerren die Rendite leicht um Dutzende Basispunkte pro Jahr – genug, um falsche Schlüsse über die eigene Strategie zu ziehen.

Ein weiteres Praxisproblem sind thesaurierende Fonds. Ohne korrekte Abbildung der ausschüttungsgleichen Erträge unterschätzt der Tracker die Gesamtrendite und die Steuerrelevanz. Gute Tools markieren die Ausschüttungspolitik je Anteilklasse und weisen Ertragsbestandteile explizit aus. Wer Krypto oder Private Markets integriert, sollte prüfen, ob Bewertungen, Gebühren und Kapitalabrufe realistisch modelliert werden. Oft ist ein manueller Prozess mit Plausibilitätschecks zuverlässiger als fragiles Screen-Scraping.

Anbindung, Sicherheit und Datenschutz

Die bequemste Lösung ist eine automatisierte Bankanbindung mit Leserechten. In der Schweiz ist Open Banking im Aufbau; Initiativen wie SIX bLink schaffen Schnittstellen, doch die Abdeckung der Institute ist noch nicht flächendeckend. Viele Nutzer:innen bleiben daher bei CSV-Importen oder nutzen Aggregatoren wie Plaid oder Salt Edge, die je nach Bank stabil oder gar nicht funktionieren. Entscheidend ist, dass sensible Zugangsdaten nicht beim Tool-Anbieter gespeichert werden oder, wenn doch, nur verschlüsselt und nach anerkannten Standards.

Seriöse Anbieter setzen auf OAuth mit granularen Berechtigungen, starke Verschlüsselung im Transit und at rest sowie regelmässige Sicherheitsaudits. Für Schweizer Vermögensverwalter:innen und Family Offices sind regulatorische Leitplanken relevant: Das FINMA-Rundschreiben zum Outsourcing definiert Anforderungen an Datenspeicherung, Zugriffe und Subdienstleister. Private Anleger:innen sollten ebenfalls klären, wo Daten gehostet werden, wie lange sie aufbewahrt werden und ob eine Löschung auf Knopfdruck möglich ist. Open-Source-Lösungen punkten mit Transparenz und lokaler Datenhaltung, verlangen aber mehr Eigenleistung bei Einrichtung und Pflege.

Kosten, Auswahl und pragmatisches Vorgehen

Preislich reicht die Spanne von kostenlosen Open-Source-Programmen über Freemium-Modelle bis zu professionellen Portfoliomanagement-Systemen mit vierstelligen Jahresgebühren. Neben Abo-Kosten zählen die indirekten Aufwände: Zeit für Datenpflege, die Zuverlässigkeit der Broker-Exporte und die Reproduzierbarkeit von Auswertungen. Wer Reporting für Dritte erstellt, schätzt geprüfte Datenpipelines und revisionssichere Historien. Private Nutzer:innen fahren oft gut mit einer klaren Trennung: Transaktionsbuchhaltung im Kernwerkzeug, ergänzende Analysen in einer Tabellenkalkulation, die auf exportierten Snapshots basiert. So bleibt das System robust, auch wenn ein Anbieter seine API ändert oder Paywalls einzieht.

Bei der Auswahl hilft ein strukturiertes Kurztesting. Ein dem echten Depot ähnlicher Datenausschnitt, idealerweise mit Dividenden, Splits und unterschiedlichen Währungen, offenbart Stärken und Schwächen rasch. Wichtig ist die Reversibilität: Kann man Daten vollständig exportieren, inklusive Rohtransaktionen und Klassifizierungen? Gibt es nachvollziehbare Changelogs und Support, der auf inhaltliche Fragen zu Corporate Actions eingeht, statt nur Workarounds zu empfehlen? Wer diese Punkte prüft, reduziert das Risiko von Lock-in und erhält ein Werkzeug, das die eigene Disziplin stärkt, statt sie zu unterlaufen. Dieser Überblick dient der Orientierung und ersetzt keine individuelle Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung.

Quellen: SIX bLink Open Banking Schweiz; FINMA-Rundschreiben 2018/3 Outsourcing; MSCI ACWI Index Methodik/Factsheet; Morningstar Methodik zu Daten und Klassifikationen; Portfolio Performance (Open Source).

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