Devisenkosten bei Brokern: versteckte Spreads erkennen
Wer Aktien in New York kauft oder Dividenden in GBP erhaelt, zahlt fast immer Devisenkosten. Sichtbar sind oft nur Kommissionen. Der groessere Teil fliesst über den Wechselkurs: ein Auf- oder Abschlag zum Marktmittelkurs, der als Spread oder Markup in der Ausfuehrung steckt. Gerade aktive Anlegerinnen und Anleger in der Schweiz verlieren hier unbemerkt Basispunkte – und damit über die Jahre spuerbar Rendite.
Wie Spreads versteckt werden – und warum es legal ist
Devisenhandel ist überwiegend OTC. Es gibt keinen einheitlichen "Borsenkurs" wie bei Blue Chips. Stattdessen stellen Banken laufend An- und Verkaufskurse. Der Unterschied zwischen diesen beiden Preisen ist der Spread. Broker koennen zwei Wege gehen: Sie weisen eine explizite FX-Gebühr aus und leiten den Interbanken-Spread durch, oder sie verzichten auf eine separate Gebühr und verdienen am eingebauten Markup im Kurs. Beides ist zulaessig, sofern Kosten transparent kommuniziert werden.
In der Praxis verschleiert die Kurskomponente die wahren Kosten. Ein Kauf von USD für eine US-Aktie kann etwa zum Kurs 0.8990 CHF/USD ausgeführt werden, während der zeitgleiche Mittelkurs bei 0.8978 liegt. Die 12 Ticks Differenz wirken gering, doch bei CHF 100'000 sind das rund CHF 134. Wer später wieder zurück in CHF konvertiert, bezahlt den Spread erneut. Der Rundreiseeffekt summiert sich.
Regulatorisch fordern MiFID II in der EU und Schweizer Aufsichten wie die FINMA klare Kostenangaben und Best Execution. Dennoch bleibt Gestaltungsspielraum. Wichtig ist, dass Anlegerinnen und Anleger den Ausführungskurs kritisch lesen und verstehen, wie ihr Broker konvertiert: sofort pro Transaktion, gesammelt am Tagesende oder via periodische Netting-Mechanismen. Jede Methode hat eigene Kostenprofile.
So rekonstruieren Sie den versteckten Spread
Die einfachste Daumenregel: Vergleichen Sie den auf der Abrechnung ausgewiesenen FX-Kurs mit einem unabhängigen Referenzmittelkurs zum gleichen Zeitstempel. Geeignet sind etwa WM/Refinitiv-Spot-Raten oder die eng geführten Interbankenspannen grosser Waehrungspaare. Auch die Euro-Referenzkurse der EZB helfen als Orientierung, beachten Sie jedoch, dass diese nur einmal täglich fixiert werden.
Aus der Differenz lässt sich der Markup-Anteil näherungsweise bestimmen. Liegt der Ausführungskurs beim Kauf über dem Mittel, entspricht die relative Abweichung dem ungefähren halben Rundreisekostenblock, da Sie beim späteren Verkauf typischerweise die Gegenseite des Spreads bezahlen. Wer mehrere Trades über Wochen beobachtet, erkennt Muster: Konstant positive Abweichungen deuten auf einen strukturellen Aufschlag, während schwankende Abweichungen eher Marktzustaende widerspiegeln.
Zeit ist ein wichtiger Faktor. Ausserhalb der aktivsten Handelsstunden verbeitern sich Spreads, ebenso bei Nachrichten oder dünner Liquidität. Das gilt selbst für Majors wie EUR/USD oder USD/CHF. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) weist für 2022 einen durchschnittlichen Tagesumsatz von rund USD 7.5 Billionen im Devisenmarkt aus – ein tiefer Markt ist das nicht. Doch die für Privatanlegende zugänglichen Preise können deutlich breiter sein als institutionelle Quotierungen.
Commission vs. All-in-Kurs: Was wirklich zaehlt
Marketingversprechen wie "0% FX-Gebühr" klingen attraktiv, doch entscheidend ist der All-in-Preis. Eine moderate explizite Kommission bei engem Marktkurs kann günstiger sein als ein vermeintlich kostenloser Wechsel mit hohem Markup. Pruefen Sie Abrechnungen: Steht ein separater FX-Posten? Wird der Kurs mit vier oder fünf Dezimalstellen ausgewiesen? Gibt es Hinweise auf Mindestbetraege oder Staffelungen? Je groesser die Transaktion, desto gewichtiger sind prozentuale Kosten – während fixe Mindestgebühren Kleinbeträge überproportional belasten.
Auch operative Details zaehlen. Viele Broker führen bei Käufen in Fremdwährung automatisch eine Konversion aus. Wer regelmässig in USD handelt, profitiert von einem separaten USD-Cashkonto, auf dem Dividenden und Verkaufserlöse ohne wiederholte Wechsel liegen bleiben. So vermeiden Sie das staendige Hin und Her zwischen CHF und USD. Beachten Sie dabei Zins- und Verwahrpraxis auf Fremdwährungskonten.
Best Execution, Transparenz – und praktische Konsequenzen
MiFID II verpflichtet Anbieter in Europa zu ex-ante und ex-post Kosteninformationen; Schweizer Institute orientieren sich in der Praxis daran und an FINMA-Vorgaben zur Best Execution. Das heisst: Kundinnen und Kunden müssen Kosten verstehen können, und die Bank soll Ausführungen zu bestmöglichen Bedingungen anstreben. In Devisen bleibt das ein relativer Massstab, doch seriöse Anbieter dokumentieren Methodik und Gegenparteien. Wer auf Nachfrage keine verstaendliche Erklaerung für FX-Abweichungen erhaelt, sollte die Beziehung überdenken.
Für die Anlagestrategie gilt: Kosten sind sicher, Rendite ist unsicher. Wer haeufig zwischen Währungen pendelt, zahlt haeufig den Spread. Strukturieren Sie Geldfluesse so, dass unnötige Konversionen vermieden werden, zum Beispiel durch die Wahl der Handelswährung, die Nutzung mehrerer Waehrungskonten oder die Buendelung von Wechseln. Bei Produkten wie ETFs kann ein in CHF gehandelter Titel die sofortige FX-Konversion vermeiden; das Waehrungsrisiko im Portfolio bleibt jedoch bestehen. Absicherungen über Waehrungs-hedged Tranchen können Kosten und Nutzen haben und sollten im Kontext des Anlageziels beurteilt werden.
Am Ende hilft nur Messen statt Vermuten. Halten Sie Zeitstempel, Ausführungskurs und Betrag fest, vergleichen Sie mit unabhängigen Referenzen und rechnen Sie die impliziten Basispunkte aus. Kleine Unterschiede summieren sich, besonders bei grossen Betraegen und über lange Haltedauern.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar.
Quellen: BIZ Triennial Central Bank Survey 2022 (tatsächliche Devisenumsatzdaten); ESMA MiFID II Kosten- und Gebührenleitfaden; FINMA-Vorgaben zu Best Execution; WM/Refinitiv Spot-Referenzraten.
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