Währungswechsel-Kosten: so reduzieren Anleger sie wirklich
Gebühren & Transparenz

Währungswechsel-Kosten: so reduzieren Anleger sie wirklich

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Schweizer Anleger zahlen oft zu viel für Währungswechsel-Kosten. Der Artikel zeigt, wo Spreads und Gebühren lauern – und wie sich die Ausgaben senken lassen.

Schweizer Portfolios kennen Währungen: US-Aktien, globale Anleihen, internationale Private-Markets oder Dividendenströme in USD, EUR, GBP. Wer rebalanciert, handelt Devisen – manchmal bewusst, oft automatisch. Dabei entscheiden Währungswechsel-Kosten, ob Rendite ankommt oder versickert. Sie entstehen im Spread zwischen An- und Verkaufskurs, in expliziten Kommissionen, in kartenseitigen Aufschlägen, in automatischen Konvertierungen der Depotbank und – subtiler – in hedged Share Classes von Fonds. Wer versteht, wo es teuer wird, senkt die Reibung, ohne Risiken einzugehen.

Wo die Kosten im Währungswechsel wirklich entstehen

Der grösste Block ist meist der Spread. Während der Interbankenmarkt enge Pips bietet, bepreisen viele Retail-Banken und Neo-Broker Währungen mit Zuschlägen von bis zu 1–2% – teils zusätzlich zu einer Kommission. Die Differenz zwischen Kurs auf dem Bildschirm und effektiver Ausführung ist selten transparent. MiFID-II-Regeln verlangen zwar Kostenaufschlüsselung, doch die Währungsumrechnung wird oft als «Nebendienstleistung» geführt und verschwindet in Sammelposten. Die europäische Marktaufsicht ESMA mahnt regelmässig zu Klarheit; in der Schweiz betont die FINMA den Grundsatz der Kostentransparenz. Dennoch bleibt die Spanne in der Praxis ein Minenfeld für Privatanleger.

Auch die Ausführungstiefe spielt eine Rolle. Bei Brokern mit direktem Zugang zum FX-Spotmarkt oder zu FX-Kontrakten liegen die Spreads nahe am Interbankenniveau, die Kommissionen in Basispunkten. Ein Beispiel: Für den Wechsel von CHF 10'000 in USD kann der Unterschied zwischen einer Bank mit 1,0% All-in und einem Broker mit Interbankenspread plus 0,002% Kommission schnell dreistellig ausfallen. Die Kosten kumulieren über Jahre – insbesondere bei Dividendenreinvestitionen, ETF-Sparplänen oder regelmässigem Rebalancing.

Versteckte Wechsel finden zudem in Fondsvehikeln statt. Kauft man eine in USD notierte, aber global investierende Strategie, rechnet der Fondsmanager intern viele Währungen gegeneinander. Diese Transaktionen zahlen sich im Tracking-Differential und in «Transaktionskosten» nieder, nicht zwingend in der ausgewiesenen TER. Hedged Anteilsklassen fügen eine weitere Ebene hinzu: Die Absicherung via Terminkontrakte verschiebt Rendite um die Zinsdifferenz zwischen den Währungen, zuzüglich Hedge-Kosten. In Phasen hoher US-Zinsen relativ zu CHF kann die Absicherung von USD-Exposures in CHF spürbar Rendite kosten; umgekehrt kann sie in anderen Zinsregimen vorteilhaft sein. Das ist kein Makel, sondern Mechanik des Devisenmarkts, den die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) regelmässig in ihrer Triennial Survey beleuchtet.

Praktische Wege, um Währungswechsel-Kosten zu senken

Am meisten Wirkung entfaltet die Wahl einer Plattform mit transparentem Devisenhandel. Multicurrency-Depots, die FX als eigene Anlageklasse führen, erlauben den gezielten Wechsel zum Marktpreis statt automatischer Konvertierung bei jeder Wertpapiertransaktion. Viele professionelle Anbieter bieten dafür Spot-Devisen oder FX-Kontrakte zu knappen Spreads und expliziten, tiefen Gebühren. Wer stattdessen jedes Dividendchen automatisch in die Kontowährung zurückführt, zahlt mit hoher Frequenz Spread und Kommission – ein unnötiger Renditeabfluss.

Timing und Ausführung verbessern das Ergebnis. Liquide Handelszeiten, in denen die Hauptmärkte beider Währungen geöffnet sind, liefern die engsten Spreads. Limit-Orders im FX-Spot oder die Verwendung von Devisenaufträgen statt impliziter «Auto-FX»-Funktionen verhindern teure Überraschungen. Für Zahlungen ausserhalb des Depots – etwa Broker- oder Fondseinzahlungen in Fremdwährung – können spezialisierte Zahlungsdienstleister mit Mid-Market-Kursen und klaren Fees eine Alternative zur Bank sein. Für die Wertpapierabwicklung bleiben jedoch Depotlösungen mit gesichertem Settlement entscheidend.

Der zweite Hebel ist Struktur. Wer in Fonds investiert, wählt nach Möglichkeit die Anteilsklasse in der Zielwährung des Cashflows. Bezieht man regelmässig USD-Dividenden, kann ein USD-Settlementkonto die Konvertierung bis zum jährlichen Rebalancing bündeln. Auch bei ETF-Sparplänen lohnt sich Konsistenz: Die Basiswährung des ETFs, die Börsenhandelswährung und die Depotwährung sollten bewusst gewählt sein, um Mehrfachwechsel zu vermeiden. Zudem ist es sinnvoll, Fremdwährungsflüsse im Portfolio gegeneinander zu netten – etwa USD-Eingänge für USD-Käufe nutzen, statt jede Transaktion separat zu konvertieren.

Absichern oder nicht? Der Preis der Währungshedge

Eine Währungsabsicherung reduziert die Volatilität, kostet aber typischerweise die Zinsdifferenz zwischen den beiden Währungen plus operative Gebühren. Für Schweizer Anlegerinnen und Anleger war CHF lange eine «sichere» Währung, mit niedrigen Zinsen und Aufwertungsphasen in Stresszeiten. Eine Hedge entzieht dann Fremdwährungsprämien, schützt aber vor Drawdowns. Ohne Hedge partizipiert man an Währungsbewegungen – positiv wie negativ. Die Entscheidung ist strategisch und sollte zum Risikobudget passen, nicht von kurzfristigen Kursbewegungen getrieben sein. Wichtiger Punkt: Eine Absicherung ersetzt nicht die Optimierung der Wechselkosten. Auch hedged Fonds handeln Devisen; die Effizienz der Umsetzung bestimmt die Nettorendite.

Transparenz schaffen, Kontrolle behalten

Kostendarstellungen nach MiFID II und die standardisierten Dokumente nach PRIIPs liefern Anhaltspunkte, doch im Alltag hilft die eigene Buchhaltung. Wer Auszüge kritisch liest und die Ausführungskurse mit unabhängigen Referenzen vergleicht, erkennt systematische Aufschläge. Seriöse Anbieter weisen den FX-Spread oder eine explizite Marge aus und stellen Best-Execution-Berichte bereit. Die SNB-Statistiken und die BIZ-Surveys zeigen, wie eng die professionellen Spreads im Kernmarkt sind – ein Massstab für faire Konditionen.

Die Quintessenz ist nüchtern: Währungswechsel-Kosten lassen sich nicht eliminieren, aber drastisch reduzieren. Multicurrency-Depots, klare Ausführung, gebündelte Flüsse und die bewusste Wahl von Anteilsklassen sind praxistaugliche Hebel. Wer zusätzlich die Rolle der Zinsdifferenzen bei hedged Strategien versteht, trifft robustere Entscheidungen. Dieser Beitrag ist keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Er will einordnen, wo Kosten entstehen und wie man sie mit Disziplin und Struktur niedrig hält – damit die Rendite dort bleibt, wo sie hingehört: im Portfolio.

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