Gold: physisch, ETF oder Lagerkonto?
Anlagestrategien & Portfolio

Gold: physisch, ETF oder Lagerkonto?

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Gold bleibt Anlageklassiker: physisch, ETF oder Lagerkonto? Der Vergleich zu Kosten, Liquidität, Steuern und Risiken hilft, die passende Form zu wählen.

Gold polarisiert selten, denn es erfüllt im Portfolio eine klar umrissene Rolle: Diversifikation, Stresstest im Krisenmodus und Absicherung gegen reale Zins- und Währungsrisiken. Für Anlegerinnen und Anleger in der Schweiz stellt sich jedoch die praktische Frage: in welcher Hülle? Zwischen Barren und Münzen, börsengehandelten Gold-ETFs und dem Lager- bzw. Metallkonto unterscheiden sich Kosten, Liquidität und Risiken deutlich. Der richtige Zugang hängt weniger von der Markteinschätzung ab als von operativen Details. Seriöse Marktüberblicke des World Gold Council, die rechtlichen Leitplanken der FINMA sowie die Good-Delivery-Standards der LBMA liefern Orientierung.

Physisches Gold: maximale Kontrolle, sichtbare Nebenkosten

Wer Barren oder Münzen hält, eliminiert Gegenparteirisiken weitgehend und akzeptiert dafür höhere Transaktions- und Verwahrungskosten. Der Schweizer Markt ist tief und effizient, doch der Auf- und Abschlag zwischen An- und Verkauf bleibt real: Für gängige Münzen und 1-kg-Barren liegen Spreads je nach Händler, Stückelung und Marktphase oft zwischen rund 1% und 3%, in Stressphasen höher. Investmentgold ist in der Schweiz in der Regel mehrwertsteuerfrei, was die Eintrittshürde senkt. Die Echtheitssicherung erfolgt über LBMA-Good-Delivery-Produzenten und etablierte Händler; dennoch lohnt Sorgfalt bei der Bezugsquelle.

Verwahrung ist der zweite Kostentreiber. Bankschliessfächer oder externe Tresore kosten fix pro Jahr, häufig im niedrigen dreistelligen CHF-Bereich, dazu kommt eine Versicherung, sofern nicht inkludiert. Wer grössere Werte bewegt, kalkuliert zusätzlich Transport- und Prüfkosten. Liquidität ist im Alltag gut, aber nicht intraday-feingestuft wie an der Börse. Für Vermögenssteuern wird der Jahrendkurs herangezogen; allfällige Wertsteigerungen sind bei Privatvermögen in der Schweiz typischerweise einkommenssteuerfrei, während Vermögenssteuer anfällt. Es handelt sich nicht um Steuerberatung; verbindlich sind kantonale Regelungen.

ETF: Effizienz, Handelbarkeit und Strukturdetails

Börsengehandelte Goldfonds bieten breiten Zugang mit knappen Spreads und transparenter Preisbildung. Die jährlichen laufenden Kosten liegen je nach Produkt häufig zwischen ca. 0,15% und 0,40%. Viele ETFs sind physisch besichert und halten zugeteiltes Metall bei Verwahrstellen nach LBMA-Standard; die genauen Sicherheiten, etwa Allokation, Auslieferungsrechte und allfälliges Goldleihe-Regime, stehen im Prospekt und im KID. Schweizer Produkte unterstehen der FINMA-Aufsicht; bei ausländischen Vehikeln gilt das jeweilige Aufsichtsregime. Rechtlich sind Fondsvermögen getrennt vom Vermögen der Anbieterin, was in Insolvenzszenarien Schutz bietet, ersetzt aber nicht die Notwendigkeit, das Verwahrkettenrisiko zu verstehen.

Die Handelbarkeit spricht für ETFs: Intraday, in kleinen Stückelungen, mit enger Geld/Brief-Spanne. Dafür fallen beim Kauf über inländische Effektenhändler die eidgenössische Stempelabgabe an, in der Regel 0,075% für inländische und 0,15% für ausländische Titel. Physisches Investmentgold fällt unter diese Abgabe üblicherweise nicht. Steuerlich schütten Gold-ETFs keine Erträge aus; Kursgewinne gelten im Privatvermögen meist als steuerfrei, während Vermögenssteuer anfällt. Auch hier gilt: keine individuelle Steuerberatung.

Ein Schweizer Spezifikum ist die Währungsdimension. Gold wird global in USD quotiert. In CHF gerechnet wirken Dollarbewegungen mit. Ein stärkerer Franken kann die Goldrendite dämpfen, ein schwächerer sie stützen. Einige Anbieter offerieren CHF-gesicherte Anteilsklassen, was die USD-Volatilität reduziert, jedoch Hedging-Kosten und potenzielle Abweichungen vom Spotpreis mit sich bringt. Korrelationen sind zyklisch: Historisch tendiert Gold zu tiefer oder negativer Korrelation mit Aktien in Stressphasen, getrieben von realen Zinsen, USD und Zentralbankkäufen, wie Daten des World Gold Council und Studien der BIS zeigen.

Lager- bzw. Metallkonto: bequem, aber eine Forderung

Metallkonten bei Banken wirken elegant: Man kauft Gold zum Bankkurs und sieht einen Goldsaldo auf dem Kontoauszug. Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen unzugeteiltem und zugeteiltem Metall. Beim unzugeteilten Lagerkonto besitzt man in der Regel eine unbesicherte Forderung gegenüber der Bank; das Gold ist nicht individuell für die Kundin segregiert. Damit besteht Gegenparteirisiko und potenziell Bail-in-Risiko gemäss den bankrechtlichen Abwicklungsregeln. Diese Saldi fallen üblicherweise nicht unter die Einlagensicherung. Gebühren sind oft tiefer als bei physischer Verwahrung, die Spreads enger als bei Münzen, und eine physische Auslieferung ist teils möglich, jedoch zu Zusatzkosten und mit Vorlauf.

Beim zugeteilten Lagerkonto wird spezifisches Metall im Namen der Kundschaft gehalten, meist mit separater Verwahrung. Das reduziert Gegenparteirisiken, bleibt aber gebührenpflichtig. Transparenz ist zentral: Vertragsbedingungen, Eigentumsnachweis, Versicherungsdeckung und Prüfberichte des Verwahrers sollten offenliegen. Für grössere Vermögen kann eine unabhängige, ausserbankliche Verwahrung eine Alternative sein, sofern die Governance robust ist.

Was passt in welchem Kontext?

Physische Barren und Münzen geben die höchste Autonomie und minimieren Abhängigkeiten, verlangen aber Disziplin bei Verwahrung, Versicherung und Handel. ETFs maximieren Effizienz und Handelbarkeit, setzen jedoch Vertrauen in die Fondskonstruktion und Verwahrkette voraus und unterliegen Stempelabgabe sowie Marktmikrostruktur. Metallkonten bieten Bequemlichkeit, verlangen jedoch klare Kenntnis des rechtlichen Charakters der Position, insbesondere bei unzugeteilten Modellen. Unabhängig vom Vehikel bleiben die ökonomischen Treiber identisch: reale Zinsen, USD, Risikosentiment und Zentralbankkäufe. Der World Gold Council dokumentiert seit Jahren, dass Gold in Phasen steigender realer Unsicherheit seine Diversifikationseigenschaften besonders ausspielt, während in Phasen hoher Realzinsen Opportunitätskosten spürbar werden.

Die Wahl ist keine Entweder-oder-Entscheidung. Manche kombinieren physische Basisbestände mit einem liquiden ETF-Overlay für taktische Anpassungen oder nutzen zugeteilte Lagerkonten für grössere, auditierte Bestände. Entscheidend sind Transparenz, Kostenkontrolle und ein bewusster Umgang mit Rechts- und Verwahrungsrisiken. Dieser Beitrag ist keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Massgeblich sind die offiziellen Dokumente der Anbieter, die aufsichtsrechtlichen Vorgaben der FINMA sowie anerkannte Branchenstandards wie LBMA Good Delivery.

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