Private Markets kurz erklärt: Zugang, Risiken, Renditen
Anlagestrategien & Portfolio

Private Markets kurz erklärt: Zugang, Risiken, Renditen

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Private Markets kurz erklärt: Private Equity, Private Debt, Infrastruktur und Immobilien im Überblick – Chancen, Risiken und der Zugang für Schweizer Anleger.

Private Markets sind in den Portfolios institutioneller Investoren längst etabliert und rücken zunehmend in den Fokus vermögender Privatanlegerinnen und -anleger. Gemeint sind nichtkotierte Anlagen wie Private Equity, Venture Capital, Private Debt, Infrastruktur und unkotierte Immobilien. Sie versprechen Diversifikation, stabile Cashflows oder höhere Renditen – verlangen aber Geduld, Disziplin und Verständnis für komplexe Strukturen. Ein kompaktes Briefing mit Fakten, Kontext und Einordnung.

Was sind Private Markets?

Private Markets umfassen Kapitalanlagen ausserhalb öffentlicher Börsen. Private Equity finanziert und restrukturiert Unternehmen, von Wagniskapital in frühen Phasen bis zu Buyouts reifer Firmen. Private Debt stellt Fremdkapital direkt an Unternehmen bereit, häufig mit variablen Zinsen und strengen Covenants. Infrastruktur investiert in Netze, Energie, Transport, digitale Infrastrukturen oder soziale Einrichtungen – oft mit inflationsgebundenen Erträgen. Unkotierte Immobilien reichen von Core-Büroobjekten bis zu opportunistischen Entwicklungsprojekten.

Strukturell dominieren geschlossene Fonds mit Laufzeiten von acht bis zwölf Jahren. Investoren geben Kapitalzusagen ab, das Geld wird über Jahre via Capital Calls abgerufen. Renditen folgen typischerweise einer J-Kurve: Anfangs drücken Kosten und Bewertungen, später sollen Exits, Refinanzierungen und operative Verbesserungen den Wert heben. Bewertungen erfolgen meist quartalsweise und modellbasiert; sie reagieren zeitverzögert auf Marktbewegungen. Leverage spielt – je nach Strategie – eine wichtige Rolle, erhöht aber die Zyklizität.

Die Branche ist gross und heterogen. Laut McKinsey Global Private Markets Review 2024 lag das verwaltete Vermögen 2023 bei rund USD 13.1 Bio.; die ungenutzten Mittel (Dry Powder) erreichten Rekordstände von über USD 3 Bio. Bain & Company, Preqin und PitchBook berichten zugleich von einer markant gesunkenen Exit-Aktivität 2022/23, weil höhere Zinsen, vorsichtige Kreditgeber und gesunkene Bewertungsmultiplikatoren die Transaktionslandschaft erschwerten. Das erschwert Ausschüttungen und verlängert die Haltedauer.

Warum interessieren sie Anlegerinnen und Anleger?

Der Reiz liegt in potenziell höheren langfristigen Renditen und anderen Ertragstreibern als an der Börse. Historische Indizes von Cambridge Associates zeigen, dass Private-Equity-Portfolios über lange Horizonte öffentliche Aktien oft um einige Prozentpunkte pro Jahr übertroffen haben, allerdings mit grosser Streuung zwischen den Managern. Private Debt profitierte zuletzt von gestiegenen Basiszinsen: Viele Kredite sind variabel verzinst, was die laufenden Erträge erhöht – solange Ausfälle im Zaum bleiben.

Private Markets können Diversifikation bringen, aber nicht in jedem Zyklus. Bewertungen, die quartalsweise angepasst werden, glätten die Volatilität, kaschieren jedoch keine fundamentalen Risiken. In Stressphasen tendieren Cashflows, Multiples und Kreditqualität dazu, sich gemeinsam zu verschlechtern. Die vielzitierte Illiquiditätsprämie ist zudem kein Naturgesetz, sondern Entschädigung für Bindung, Komplexität und das Risiko, nicht verkaufen zu können, wenn man Liquidität braucht.

Die Dispersion ist hoch: Der Abstand zwischen dem oberen und unteren Quartil der Manager ist deutlich grösser als bei liquiden Indizes. Managerauswahl, Sourcing-Qualität, operative Wertschöpfung und disziplinierte Exekution entscheiden über den Erfolg. Ebenso wichtig sind Vintage-Diversifikation und Pacing über mehrere Jahrgänge, um Zykleneffekte zu glätten. Zweitmarkt-Transaktionen (Secondaries) gewinnen an Bedeutung: Sie bieten Liquidität für bestehende Anteile und ermöglichen den Einstieg in reifere Portfolios mit sichtbarerem Cashflow-Profil, jedoch zu Preisen, die den Marktzyklus widerspiegeln.

Zugang, Struktur und Kosten

Der klassische Zugang führt über Limited Partnerships, die sich primär an professionelle oder qualifizierte Anleger richten. Mindestzeichnungen sind oft hoch, die Dokumentation umfangreich, Kapitalabrufe und Ausschüttungen verlangen sauberes Liquiditätsmanagement. In der Schweiz sind semiliquide Strukturen, Feeder-Fonds und gelistete Vehikel (etwa börsenkotierte Beteiligungsgesellschaften) eine Alternative, die niedrigere Mindestbeträge und einfachere Handhabung versprechen. In der EU erleichtert ELTIF 2.0 gewissen Anbietern den Vertrieb an Privatanleger; Schweizerinnen und Schweizer erhalten vielfach über luxemburgische Strukturen oder kotierte Lösungen indirekten Zugang. Produktdetails und Eignung hängen jedoch von Regime, Anbieter und individueller Situation ab.

Kosten sind höher als bei ETFs. Typisch sind Verwaltungsgebühren von rund 1.5% bis 2% p.a. und eine Erfolgsbeteiligung (Carried Interest) von etwa 20% oberhalb einer Hurdle Rate. Dazu kommen Transaktions-, Verwaltungs- und Verwahrspesen. Die effektive Kostenquote ist über die Laufzeit ungleichmässig, weil sie auf zugesagtem oder investiertem Kapital basiert. Anleger sollten verstehen, ob Gebühren auf Abrufen, auf investiertem Kapital oder auf dem Nettoinventarwert berechnet werden, und wie Fund-of-Funds- oder Feeder-Ebenen zusätzliche Kosten addieren. Bewertungsverzögerungen, Währungsrisiken und steuerliche Aspekte erhöhen die Komplexität. Evergreen- und Intervallfonds versprechen regelmässige Zeichnungs- und Rücknahmemöglichkeiten, arbeiten jedoch mit Quoten, Gates und Bewertungsregeln, die in Stressphasen zur Geduldsprobe werden können.

Risikomanagement beginnt bei der Struktur. Kapitalzusagen müssen über Jahre bedient werden; Cash-Reserven oder Kreditlinien überbrücken unerwartete Abrufe. Portfolios sollten über Strategien, Regionen und Jahrgänge gestreut werden. Leverage, Zinsbindung und Covenant-Pakete gehören in die Prüfung, ebenso Governance, Key-Person-Klauseln und die Qualität der unabhängigen Bewertungen. Reports von McKinsey, Bain, Preqin und Cambridge Associates liefern eine solide Faktengrundlage für Marktgrösse, Performance und Zyklen – ersetzen aber keine Due Diligence auf Manager- und Deal-Ebene.

Private Markets sind kein Ersatz für liquide Kernanlagen, sondern eine Ergänzung mit eigenständigem Risiko-Rendite-Profil. Wer die Mechanik versteht, Geduld mitbringt und die Auswahl professionalisiert, kann attraktive Prämien erschliessen. Wer Liquidität, Einfachheit und Transparenz priorisiert, sollte die Grenzen akzeptieren. Dieser Beitrag stellt weder Anlage-, Steuer- noch Rechtsberatung dar.

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