Säule 3a: Wie viel einzahlen? Konto oder ETF im Vergleich
Die Säule 3a ist steuerlich attraktiv, aber die Detailfragen entscheiden über den Mehrwert: Wie viel lohnt sich einzuzahlen, und ist ein klassisches Konto oder eine Wertschriftenlösung mit ETF die bessere Wahl? Die Antwort hängt von Einkommenssituation, Anlagehorizont, Risikotoleranz und Kosten ab. Dieser Beitrag ordnet die wichtigsten Punkte ein – faktenbasiert und ohne konkrete Beratungsempfehlung.
Wieviel in die Säule 3a? Timing, Steuerwirkung und Zinseszinseffekt
Die maximale Einlage wird vom Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) regelmässig angepasst. Als Orientierung galt 2024: mit Pensionskasse bis zu CHF 7'056, ohne Pensionskasse 20% des Erwerbseinkommens, maximal CHF 35'280. Die effektiven Grenzwerte können sich ändern; massgeblich sind die jeweils aktuellen BSV-Publikationen. Einzahlungen sind vom steuerbaren Einkommen abziehbar und damit besonders bei hoher Grenzsteuer attraktiv. Wie stark die Entlastung ausfällt, hängt vom Wohnkanton, Einkommen und Abzügen ab, wozu die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) Vergleichswerte und Tarife bereitstellt.
Beim Timing gilt: Wer früh im Jahr einzahlt, lässt das Geld länger arbeiten. Beispielhaft zeigt ein vereinfachter Vergleich über zehn Jahre mit konstanten Einlagen von CHF 7'000 und 3% Nettojahresrendite, dass eine Januar-Einzahlung gegenüber einer Zahlung im Dezember einen spürbaren Vorsprung aufbaut, weil jeder Franken länger investiert ist. Die Liquiditätssituation entscheidet aber mit: Wer planbar Cashflüsse benötigt oder schwankende Einkommen hat, kann monatliche Tranchen bevorzugen, um Marktschwankungen zu glätten.
Die Auszahlung am Ende der Laufzeit erfolgt separat vom übrigen Einkommen zu einem privilegierten Kapitalbezugssteuersatz. Die Tarife sind kantonal unterschiedlich, und mehrere gestaffelte 3a-Konten können helfen, Bezüge über mehrere Jahre zu verteilen. Das ist keine Steuerberatung; die individuelle Optimierung erfordert die Prüfung der kantonalen Regeln und persönlicher Verhältnisse.
Konto 3a oder Wertschriften-3a mit ETF? Rendite, Risiko und Kosten
Das Konto 3a bietet planbare Verzinsung und keine Kursschwankungen. Nach Jahren negativer Zinsen liegen Zinsen 2024/25 je nach Institut grob zwischen rund 0,8% und 1,5%, vereinzelt höher. Das schützt kurzfristige Ziele, trägt aber das Risiko, die Teuerung langfristig nicht zu schlagen. Wer einen langen Horizont hat, erhöht mit einer Wertschriften-3a die Chance auf Mehrrendite – zum Preis von Volatilität. Globale Aktien verzeichneten in schweren Phasen wie 2008 oder 2020 zweistellige Rückgänge; wer nahe vor der Pension ist, sollte diese Sequenzrisiken ernst nehmen und die Aktienquote reduzieren.
Wertschriftenlösungen in der Säule 3a basieren meist auf gemischten Vorsorgefonds oder Portfolios mit ETFs. Moderne Anbieter erlauben Aktienquoten bis 97–99% und breit gestreute Bausteine. Kosten sind zentral: Traditionelle Vorsorgefonds verrechnen oft Totalgebühren um 0,8–1,5% p.a. Jüngere Anbieter verlangen für die Vermögensverwaltung häufig 0,4–0,6% p.a., zuzüglich ETF-TER von etwa 0,1–0,3%. Über 30 Jahre frisst ein Prozentpunkt Gebührendifferenz einen erheblichen Teil der Bruttorendite auf. Klarheit schaffen Anbieterangaben zum «All-in-Fee» und den Produktblättern der Fonds.
Steuerlich bleibt der Ertrag in der 3a während der Ansparphase einkommenssteuerfrei; Vermögenssteuern fallen nicht an. Quellensteuern auf Dividenden können innerhalb der Fondsstruktur teilweise anfallen und sind je nach Domizil und Doppelbesteuerungsabkommen nicht immer vollständig rückforderbar. Wer stark auf US-Aktien setzt, sollte beachten, dass die effektive Dividendenbelastung je nach Fondslösung variiert. Währungsrisiken lassen sich mit CHF-gesicherten Anteilsklassen mindern, was aber Hedging-Kosten verursacht. Ungehedgte globale Allokationen schwanken mehr, partizipieren aber an realen Wechselkursbewegungen.
Liquidität, Ausnahmen und Aufsicht: Was die Praxis prägt
Die Säule 3a ist langfristig gebunden. Vorbezüge sind gesetzlich eng umrissen: selbständige Erwerbstätigkeit, selbst genutztes Wohneigentum (Erwerb, Amortisation), Einkauf in die eigene Pensionskasse, Bezug einer Invalidenrente, endgültiges Verlassen der Schweiz oder kleine Guthaben bei geringem Pensum. Wer Wohneigentum plant, kann 3a-Guthaben auch verpfänden statt beziehen. Jede Option hat steuerliche und finanzielle Nebenwirkungen, die individuell geprüft werden sollten.
Rechtlich werden 3a-Gelder von Vorsorgestiftungen gehalten und sind zweckgebunden. Fondsvermögen gelten als Sondervermögen und sind im Fall einer Banken- oder Anbieterkonkurs rechtlich getrennt. Die Produkte unterstehen dem Kollektivanlagengesetz und der FINMA-Aufsicht; die Stiftungen selbst werden von zuständigen BVG- und Stiftungsaufsichten überwacht. Seriosität zeigt sich in transparenter Berichterstattung, klaren Kostenangaben und einer sauberen Umsetzung der BVV-2-Anlagegrundsätze, an denen sich 3a-Lösungen typischerweise orientieren.
Operativ wichtig sind Rebalancing-Regeln und ein gleitender Abbau der Aktienquote, je näher der Bezugszeitpunkt rückt. Wer 10–15 Jahre oder länger bis zur Pension hat, kann eine höhere Aktienquote eher tragen. Nähern sich die Bezüge, reduziert eine schrittweise Umschichtung das Risiko eines ungünstigen Ausstiegszeitpunkts. Mehrere 3a-Konten erlauben es, die Auszahlung über verschiedene Jahre zu staffeln und gleichzeitig unterschiedliche Anlagestrategien je Konto zu fahren. Das ersetzt keine persönliche Beratung, gibt aber Gestaltungsspielraum.
Fazit: Wie viel in die Säule 3a fliesst und ob Konto oder ETF passt, entscheidet die Kombination aus Steuerersparnis, Zeithorizont, Risikofähigkeit und Kosten. Wer Stabilität sucht oder kurz vor der Pension steht, findet im Konto 3a eine solide Parkiermöglichkeit. Wer Zeit und Nerven mitbringt, profitiert langfristig tendenziell von Wertschriften. Verlässliche Grundsätze bleiben: Gebühren niedrig halten, breit diversifizieren, Regeln konsequent anwenden – und die aktuellen Grenzwerte sowie kantonalen Steuertarife anhand offizieller Quellen von BSV, ESTV und FINMA prüfen.
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