Smart-Beta-ETFs in CHF: Hedged oder unhedged?
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Smart-Beta-ETFs in CHF: Hedged oder unhedged?

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Smart-Beta-ETFs in CHF: Hedged oder unhedged? Was Währungsabsicherung kostet, wie sie Faktorprämien beeinflusst und was für Schweizer Anleger zählt.

Smart-Beta-ETFs versprechen systematische Faktorprämien wie Value, Quality oder Minimum Volatility, ohne aktiven Ermessensspielraum. Für Schweizer Anlegerinnen und Anleger stellt sich jedoch eine zusätzliche, oft unterschätzte Frage: Soll der Währungsrisikoanteil abgesichert werden (hedged) oder nicht (unhedged)? Die Antwort hängt weniger von der Modetrendlage als von Mechanik, Kosten und der Rolle ab, die der Baustein im Portfolio spielt. Seriöse Studien von Vanguard, MSCI, BlackRock und der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) liefern robuste Anhaltspunkte, auch wenn sie nicht jede Marktphase gleich erklären.

Was Währungshedging leistet – und was es kostet

Währungsabsicherung in Fonds erfolgt typischerweise über monatlich gerollte Termingeschäfte, die das Wechselkursrisiko zwischen Anlagewährung (z. B. USD, EUR) und Referenzwährung (CHF) neutralisieren sollen. Der Erwartungswert der Hedge-Rendite wird im Wesentlichen vom Zinsdifferenzial und der sogenannten Cross-Currency-Basis bestimmt. Historisch lag das CHF-Zinsniveau oft tiefer als in USD, zeitweise auch unter EUR. Absichern in die Schweiz war damit für USD-Exposures tendenziell mit positiven Carry-Effekten für Schweizer Investoren verbunden, konnte aber je nach Marktstress durch eine negative Basis verteuert werden, wie BIZ-Analysen wiederholt gezeigt haben.

Für globale Aktien zeigt die Evidenz ein klares Muster: Hedging reduziert die Volatilität spürbar, während der langfristige Renditemittelwert kaum beeinflusst wird. Vanguard und MSCI beziffern die Volatilitätsreduktion in Mehrjahresfenstern typischerweise im niedrigen einstelligen Prozentpunktbereich. Der Effekt ist für Anleihen noch ausgeprägter, weshalb Fixed-Income-Exposures international üblicherweise konsequent gehedged werden. Für Aktien ist die Entscheidung subtiler, weil Währungen in Stressphasen als Schockabsorber oder Verstärker wirken können. Der CHF neigt als Safe Haven zur Aufwertung, wenn globale Risikoaversion steigt. Unhedged-Anleger erleben dann oft höhere Drawdowns, weil Kursverluste am Aktienmarkt und Währungsgewinne des Franken zusammenfallen. Ein Hedge glättet diese Ausschläge – und macht den Faktor-Baustein planbarer im Portfoliokontext.

Ganz kostenlos ist die Glättung nicht. Neben dem laufenden Carry fallen operative Kosten an, die sich in Tracking-Differenzen zeigen. Viele Anbieter weisen für gehedgte Anteilsklassen zusätzliche, implizite Kosten von etwa 0,1–0,3% p. a. aus, abhängig von Marktliquidität, Rollfrequenz und Volumen. Diese Spanne ist kein Gesetz, aber ein praktischer Referenzrahmen. Wer CHF 1'000'000 in einem gehedgten Smart-Beta-ETF hält, bezahlt damit grob CHF 1'000 bis CHF 3'000 pro Jahr an impliziten Hedgekosten – zuzüglich der Managementgebühr. In Phasen stark veränderter Zinsdifferenzen kann der Hedge zudem vorübergehend zu Renditesprüngen führen, die nichts mit dem Faktor zu tun haben, sondern mit dem Terminkurs und der Basis.

Smart Beta trifft Währung: Verstärkung, Verzerrung, Timing

Faktorstrategien leben von klar definierten, oft zyklischen Prämien. Währungsschwankungen stiften dabei exogene Varianz, die den Signal-Rausch-Abstand verwischt. MSCI und BlackRock zeigen, dass eine Währungsabsicherung die Messbarkeit von Faktoren erhöht: Die realisierte Streuung kommt stärker aus dem Faktor, weniger aus dem Devisenmarkt. Das ist besonders relevant für Minimum Volatility, wo die Wertschwankung selbst das Produktversprechen ist. Wer mit einem Min-Vol-ETF unhedged bleibt, lädt einen nicht steuerbaren Volatilitätsmotor dazu – der Währungskorb. Der vermeintliche Stabilitätsanker verliert an Präzision.

Bei Value, Quality oder Momentum ist der Befund nuancierter. Währungen können die Faktorperformance in einzelnen Phasen sogar positiv überlagern, etwa wenn zyklische Value-Segmente gleichzeitig mit einer schwächeren Heimatwährung der Unternehmen Rückenwind erhalten. Doch diese Effekte sind unzuverlässig und schwer zu timen. Für systematische Anlegerinnen und Anleger, die den Faktor als Baustein mit definierter Funktion nutzen, wirkt ein Hedge wie eine saubere Messvorrichtung: Er reduziert die unbekannte Störgrösse. Das gilt umso mehr, je kürzer die Halteperiode und je enger das Risikobudget ist, etwa in mandatierten Vermögensverwaltungen.

Replikation, Rebalancing und versteckte Nebeneffekte

Technische Details entscheiden mit. Smart-Beta-Indizes rebalancieren meist viertel- oder halbjährlich. Die Währungshedges werden hingegen monatlich gerollt. Diese Frequenzdifferenz kann kleine, aber messbare Tracking-Differenzen erzeugen, wenn starke Währungsschübe zwischen den Rollterminen auftreten. Zudem streuen Faktorindizes über Länder und Sektoren; ein Hedge auf Gesamtwährungsebene neutralisiert zwar das bilaterale FX-Risiko gegen den CHF, nicht aber unternehmensinterne Währungs-Exposures in den Cashflows. Der Hedge isoliert also die Preiswährung, nicht die ökonomische Währung des Geschäftsmodells. In der Praxis genügt das, um die Portfoliovarianz deutlich zu reduzieren, doch es erklärt, warum Hedging kein perfekter Filter ist.

Ein Schweizer Entscheidungsrahmen ohne Rezeptpflicht

Die Wahl zwischen hedged und unhedged ist keine Glaubensfrage, sondern eine Risiko- und Kostenabwägung. Wer einen Smart-Beta-Baustein als taktisches Instrument oder als Risikosenker einsetzt, wird zur Absicherung tendieren. Sie schärft das Faktorprofil, senkt die Volatilität und erleichtert die Allokationssteuerung. Wer hingegen mit sehr langem Horizont investiert, geringe Liquiditätsbedürfnisse hat und bewusst Währungsdiversifikation akzeptiert, kann unhedged leben – in dem Wissen, dass Drawdowns in Stressphasen tiefer ausfallen können und die Renditepfade lauter sind.

Seriöse Anbieter dokumentieren Hedge-Methodik, Rollrhythmus und Kosten transparent. Ein Blick in Factsheets und Rechenschaftsberichte lohnt sich; Unterschiede im Tracking und in der Netto-Performance zwischen gehedgten und ungehedgten Anteilsklassen desselben ETF geben oft mehr preis als Marketingtexte. Ergänzend helfen die grossen Houses mit Forschung: Vanguard und MSCI zu Hedging und Faktorstabilität, BlackRock zu operativen Effekten, BIZ zu Basis- und Funding-Kosten. Diese Evidenz ersetzt keine individuelle Beratung, sie strukturiert aber die Debatte. Am Ende sollte die Wahl zur Rolle des Bausteins, zur eigenen Risikotragfähigkeit und zum restlichen Portfolio passen – nicht zur Schlagzeile des Monats.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Er dient der Einordnung und ersetzt keine individuelle Beurteilung.

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